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Benzodiazepine: Jeder Vierte bekommt sie dauerhaft

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Das Abhängigkeitspotenzial von Benzodiazepinen könnte höher sein als gedacht. In den USA verordnen Ärzte jedem Vierten die Schlaf- und Beruhigungsmittel nach einer Erstverschreibung dauerhaft, ergab eine Studie der Universitäten Michigan und Pennsylvania. Die Forscher um Dr. Lauren Gerlach untersuchten die Verschreibungsdaten von 576 älteren Erwachsenen aus niedrigen Einkommensschichten. 152 von ihnen bekamen ein Jahr nach der ersten Verordnung immer noch Rezepte. Dabei wurden nur Verordnungen berücksichtigt, die nicht von Psychiatern stammten, schreiben die Autoren um Lauren Gerlach im Fachjournal «JAMA Internal Medicine». Die meisten Rezepte stellten Hausärzte aus.

Diejenigen, die bei der Erstverordnung die höchsten Mengen erhielten, hatten das größte Risiko, zum Langzeitnutzer zu werden. Pro zehn Tage weiterer Verordnung verdoppelte sich das Risiko für den Langzeitgebrauch im folgenden Jahr.

«Das zeigt, dass wir den Verordnern helfen müssen, das Ende einer Verschreibung bereits beim Start einer Benzodiazepin-Therapie im Blick zu haben», so Hauptautorin Gerlach. Es solle nur ein Rezept für ein kurzes Behandlungsintervall verordnet werden. Mit den Patienten sollte ein Zeitpunkt festgelegt werden, um über eine Veränderung der ausschlaggebenden Symptome zu sprechen und die Benzodiazepine auszuschleichen. Zudem sollten nicht medikamentöse Optionen wie kognitive Verhaltenstherapien in Erwägung gezogen werden. (dh)

 

DOI: 10.1001/jamainternmed.2018.2413

 

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12.09.2018 l PZ

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