Vergrößerte Brüste bei Jungen: Oft hilft abnehmen |

Eine Gynäkomastie kann männliche Jugendliche sehr belasten, verschwindet aber oft von selbst oder bei Gewichtsreduktion. Die Ursache der Gynäkomastie sei in der Regel ohne endokrinologische Tests erkennbar, schreiben Wissenschaftler um Dr. Jugpal S. Arneja von der Universität in British Columbia, Vancouver/Kanada, in der Fachzeitschrift «Plastic and Reconstructive Surgery».
Die Forscher analysierten die Daten von 197 Jugendlichen mit Gynäkomastie im British Columbia Children's Hospital von 1990 bis 2015. Das Brustwachstum begann im Mittel mit 11,5 Jahren. Ungefähr 70 Prozent hatten deswegen psychische Probleme. Etwa die Hälfte der Jungen war übergewichtig oder adipös. Weitere 29 (15 Prozent) hatten eine positive Familienanamnese, zum Beispiel war auch der Vater von einer juvenilen Brustvergrößerung betroffen. Nur bei 15 Jungen (8 Prozent) lagen sekundäre Ursachen für die Gynäkomastie vor, meist der Gebrauch von Stoffen und Medikamenten wie Marihuana, Fluoxetin oder Antiepileptika. Bei drei Patienten wurde das Klinefelter-Syndrom, eine Chromosomenstörung, festgestellt.
Zwar wurden die meisten Jungen endokrinologisch untersucht, doch nur bei drei Patienten wurden auffällige Testosteron- und Estradiol-Spiegel gemessen. «Endokrinologische Untersuchungen lieferten in 99,4 Prozent der Fälle keine neuen klinischen Informationen», betonen die Autoren. Sie empfehlen eine gründliche Anamnese und Befragung sowie Beruhigung des Patienten.
Rund die Hälfte der Jungen benötigte keine Therapie, außer «wachsames Abwarten» oder Ernährungsumstellung und Bewegung, um abzunehmen. Mit dem Schwinden des Risikofaktors bildete sich oft die Gynäkomastie zurück. 5 Prozent wurden medikamentös behandelt. Immerhin 44 Prozent unterzogen sich einer plastischen Operation. Das mediane Alter bei der OP betrug 16,5 Jahre. Die Autoren schlagen vor, eine Operation zu erwägen, wenn eine Gynäkomastie seit zwei Jahren besteht oder nach dem 16. Lebensjahr anhält, oder bei Patienten, die stark darunter leiden. (bmg)
DOI: 10.1097/PRS.0000000000004465
26.07.2018 l PZ
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