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Planschbecken: Badewasser muss Trinkwasserqualität haben

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Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat gründliche Hygiene in privaten Gartenpools angemahnt. Besitzer solcher Pools müssten besonders auf die Sauberkeit achten, sagte Verbandssprecher Hermann Josef Kahl der Deutschen Presse-Agentur. Fäkalkeime etwa könnten schnell Durchfall auslösen, wenn Wasser verschluckt wird. Der Kinderarzt betonte, auch insgesamt sehe er in Deutschland ein Hygiene-Problem. Ob Erkrankungen von Patienten in direktem Zusammenhang mit dem Baden stünden, sei allerdings schwer zu erkennen.

 

«Badewasser muss mikrobiologisch fast Trinkwasserqualität haben», sagt der Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal, Dirk Bockmühl. Über die Umwelt und durch Menschen gerieten Bakterien auf natürlichem Weg ins Badewasser und könnten schnell zu einer Gefahr werden. Dem Wasser sehe man das nicht unbedingt an, selbst scheinbar sauberes Wasser kann dem Experten zufolge belastet sein. «Umweltkeime sind wirklich überall. In Pools können sie Rahmenbedingungen vorfinden, wo sie sich wohlfühlen», erklärt Bockmühl.

 

Es geht etwa um Kolibakterien, sogar Salmonellen wurden demnach schon im Poolwasser nachgewiesen. Auch Pseudomonaden, sogenannte Pfützenkeime, könnten über Tropfen in die heimischen Wasserbecken geraten. Gesundheitlich sind Pseudomonaden vor allem für Immungeschwächte bedrohlich, da sie schwere Infektionen auslösen können. Im Wasser dient Erregern organisches Material wie Blätter von Bäumen als Nahrung. Manche Bakterien wie Fäkalkeime könnten im Wasser besonders lang überleben, sagt Bockmühl. Urin im Wasser ist ihm zufolge allerdings aus mikrobiologischer Sicht unbedenklich, da er bei Gesunden keine pathogenen Keime enthält. Er diene den Bakterien aber ebenfalls als Nährstoff.

 

Problematisch werde es vor allem dann, wenn Pools sehr lange mit Wasser befüllt im Garten stehen, erläutert Bockmühl weiter. Hier könne eine hohe Keimdichte entstehen. Das könne insbesondere Kindern, Schwangeren, Senioren und immungeschwächten Menschen gefährlich werden. Ab einer gewissen Beckengröße sei es daher wichtig, Pools mit Filtern auszurüsten oder sogar mit Chlor zu behandeln. Wer sich nicht um die Wasserqualität kümmere, riskiere krank zu werden.

 

Während zuhause jeder selbst für seinen Pool verantwortlich ist, gelten bei öffentlichen Bädern strenge Regeln. Hier kontrolliert das Gesundheitsamt nach der Bäderhygieneverordnung. Jedes Jahr gebe es Routineuntersuchungen, sagt Matthias Oloew, Sprecher der Berliner Bäderbetriebe. Ohne grünes Licht aus dem Labor dürften Freibäder nicht öffnen. Zuhause gelten solche Vorgaben nicht. Aber Pool-Besitzer sollten angesichts möglicher Risiken auf einige Dinge achten. Wer das Wasser chlort, solle sich genau an die Herstellerangaben halten, sagt Bockmühl. Zu viel, aber auch zu wenig Chlor hält er für schlecht. Bei Kinderplanschbecken rät Bockmühl von chemischer Behandlung ganz ab: «Chlortabletten sind hier völlig unsinnig.» Das Wasser könne man stattdessen täglich tauschen und etwa zum Blumengießen nutzen.

11.06.2018 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Jonas Glaubitz