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Lamotrigin: Immunsystem kann überreagieren

 

In seltenen Fällen kann das Immunsystem auf das Antikonvulsivum Lamotrigin stark überreagieren – es kann zu einer hämophagozytischen Lymphohistiozytose (HLH) kommen, warnt die US-Arzneimittelbehörde FDA. Diese lebensbedrohliche Reaktion mit Hyperinflammation, Zytokinsturm und immunvermittelten Organschäden kann innerhalb von Tagen bis Wochen nach Behandlungsbeginn auftreten, informiert heute die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ).

Bei der erworbenen Form der HLH können verschiedene Trigger wie Infektionen, Autoimmun- oder Krebserkrankungen zu einer überschießenden Aktivierung des Immunsystems führen. Unbehandelt liegt die Mortalität bei 95 Prozent. Therapiert wird mit Immunmodulatoren oder Immunsuppressiva. Lamotrigin muss abgesetzt werden.

Die Symptome können unspezifisch sein, was die Diagnose erschwert. Entwickeln Epilepsie-Patienten unter Lamotrigin-Einnahme unerklärliches Fieber oder Hautausschlag, sollten sie umgehend zum Arzt gehen. Darüber müssen Patienten oder ihre Betreuer aufgeklärt werden.

Die Diagnose einer HLH wird laut AkdÄ gestellt, wenn fünf der folgenden acht Symptome vorliegen: Fieber und Hautausschlag, Milzvergrößerung, Zytopenien, Hypertriglyceridämie oder Hypofibrinogenämie, stark erhöhte Ferritinwerte im Blut, mikroskopische Hämophagozytose in Knochenmark, Milz oder Lymphknoten, erniedrigte Aktivität natürlicher Killerzellen oder erhöhte Werte des löslichen Interleukin-2-Rezeptor (CD25) im Blut. (dh)

01.06.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Sebastian Kaulitzki