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Tag der Handhygiene: Waschen verhindert Infektionen

 

Vor allem in Kliniken bleiben die Hände ein Übertragungsweg für gefährliche Krankheitserreger. Rund 10.000 bis 15.000 Todesfälle gehen nach Schätzungen in Deutschland jährlich auf Krankenhausinfektionen zurück, die sich Patienten erst in der Klinik holen. «Ein Drittel wäre durch mehr Hygiene vermeidbar», sagt Petra Gastmeier, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Surveillance von nosokomialen Infektionen. Zu den häufigsten Krankenhausinfektionen gehören Lungenentzündungen, Harnwegs- und Wundinfektionen sowie Sepsis, die in diesem Jahr im Mittelpunkt der Kampagne zum Welttag der Handhygiene am 5. Mai stehen. Das Datum symbolisiert zwei Mal fünf Finger des Menschen.

 

Zwar hätten sich die Hygienebedingungen erheblich verbessert. In drei von vier Fällen hielten Ärzte und Schwestern die Regeln ein, ergänzt die Hygieneärztin unter Verweis auf regelmäßige Qualitätskontrollen. Zugleich aber habe sich die Zahl der Eingriffe erhöht, nicht zuletzt durch minimalinvasive Methoden. Katheter, Infusionen und Beatmungsgeräte seien ebenfalls Einfallstor für Keime, wenn Ärzte oder Pfleger die Hände nicht genügend desinfiziert haben, aber auch für potenziell pathogene Keime der eigenen Haut- und Darmflora. Je länger beispielsweise ein Katheter liege, desto höher sei das Risiko dafür. In manchen Kliniken und Arztpraxen schütteln Ärzte nicht mehr immer die Hand. «In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, auf das Händeschütteln zu verzichten», sagt der Leiter der Stabstelle Krankenhaushygiene am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München, Friedemann Gebhardt.

 

Studien zeigen Gebhardt zufolge den Erfolg der langjährigen Hygienemaßnahmen. An die 50 Mal am Tag müssen Ärzte und Schwestern zur Desinfektion greifen, schätzt er. 30 Sekunden soll das Desinfektionsmittel einwirken – in der Hektik des Klinikalltags oder bei Notfällen kann das eine lange Zeit sein.

 

Die vom NRZ mitgetragene nationale Kampagne «Aktion Saubere Hände» setzt sich seit zehn Jahren für eine bessere Einhaltung der Hygieneregeln in Gesundheitseinrichtungen ein, wendet sich aber auch an die Öffentlichkeit. Gastmeier schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Erkältungs- und Durchfallerkrankungen so vermieden werden könnten. Mehrere Studien gerade in Kindergärten hätten gezeigt, dass die Kleinen deutlich weniger krank seien, wenn frühzeitig aufs Händewaschen vor dem Essen und nach dem Toilettengang geachtet werde. Auch kann man den Kindern bereits in jungen Jahren beibringen, in die Ellenbeuge statt in die Hand zu husten oder zu niesen. Zudem ist Küchenhygiene wichtig – für kleine und große Küchenhelfer gilt: Vor und gegebenenfalls während des Kochens die Hände gründlich waschen, insbesondere beim Umgang mit rohen Eiern oder Fleisch. Desinfektionsmittel sind im Alltag nur in Ausnahmefällen nötig.

  

02.05.2018 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/emde71