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Trockenes Auge: Fischöl nicht besser als Placebo

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Ein Nahrungsergänzungsmittel mit hoch dosierten Omega-3-Fettsäuren hat in einer großen Studie bei Patienten mit trockenem Auge nicht besser abgeschnitten als Placebo. Während der Studiendauer von einem Jahr kam es zwar bei Teilnehmern, die Omega-3-Fettsäuren einnahmen, zu einer signifikanten Verbesserung der Symptomatik. Dies war jedoch auch in der Placebo-Gruppe der Fall. Zwischen beiden Gruppen bestand hinsichtlich der untersuchten Schlüsselsymptome des trockenen Auges quasi überhaupt kein Unterschied, berichtet die US-amerikanische DREAM-Studiengruppe um Professor Dr. Maureen Maguire von der University of Pennsylvania im «New England Journal of Medicine».

 

Bei trockenem Auge empfehlen viele Augenärzte die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaensäure (EPA) oder Docosahexaensäure (DHA), landläufig auch als Fischöl-Kapseln bezeichnet. Diesen werden antientzündliche Eigenschaften zugeschrieben, die bei der chronisch-entzündlichen Augenerkrankung vorteilhaft sein sollen. Die Wirksamkeit konnte jedoch bislang nicht in einer großen Studie unter praxisnahen Bedingungen nachgewiesen werden.

 

Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung nahmen 349 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Symptomatik über ein Jahr täglich je eine Kapsel mit 2000 mg EPA und 1000 mg DHA ein. Als Kontrolle dienten 186 Patienten, die täglich je eine Kapsel mit Olivenöl einnahmen. Letzteres enthält überwiegend die Omega-9-Fettsäure Oleinsäure, der keine Wirkung bei trockenem Auge unterstellt wird. Die Zuteilung zu den Studienarmen erfolgte randomisiert und doppelblind. Der primäre Endpunkt war die Veränderung im OSDI-Score (Ocular Surface Disease Index). Nach einem Jahr hatte sich die Fischöl-Fraktion auf dem 100-Punkte-Score um durchschnittlich 13,9 Punkte verbessert, die Placebo-Gruppe um 12,5 Punkte. Auch bei vier weiteren Parametern für trockenes Auge, die als sekundäre Endpunkte erhoben wurden, schnitten beiden Behandlungsarme fast gleich ab.

 

Das widerlegt «eine lange gehegte Überzeugung in der ophthalmologischen Gemeinschaft», sagt Maguire in einer Mitteilung der Universität. Dennoch halten die Autoren ihre Ergebnisse für valide, da die Studie – anders als frühere Untersuchungen – die Bedingungen im «echten Leben» der Patienten ziemlich genau widergespiegelt hätten. So war es den Teilnehmern erlaubt, ihre bisherige Therapie während der Studie fortzusetzen, sofern diese nicht aus Omega-3-Fettsäuren bestand. Durch die lange Studiendauer von einem Jahr seien zudem saisonale Einflussfaktoren weitgehend auszuschließen. Last but not least konnte anhand des Omega-3-Fettsäuregehalts der Erythrozyten im Blut der Teilnehmer eine hohe Einnahmetreue nachgewiesen werden. (am)

 

DOI: 10.1056/NEJMoa1709691

 

17.04.2018 l PZ

Foto: Fotolia/tunedin