Interstitielle Zystitis: Erstmals Leitlinie erschienen |

Stechende Unterleibsschmerzen und Harndrang mit bis zu 60 Toilettengängen über Tag und Nacht: Eine Interstitielle Zystitis verursacht einen enormen Leidensdruck. Zu Recht heißt sie auch Blasenschmerz-Syndrom. Mit der ersten deutschen Leitlinie zur «Diagnostik und Therapie der Interstitiellen Zystitis (IC/BPS)» wollen die Deutsche Gesellschaft für Urologie und der Förderverein für Interstitielle Zystitis, der ICA-Deutschland, die Erkrankung bei Fachärzten bekannter machen und die Versorgung der Betroffenen deutlich verbessern. Denn das Krankheitsbild ist wenig bekannt und die Entzündung der Blasenwand schwer zu diagnostizieren. Im Durchschnitt dauere es neun Jahre bis zur Diagnosestellung, heißt es in einer Pressemeldung der DGU. Die chronische Entzündung der Blasenwand betrifft vor allem Frauen, schätzungsweise 18 von 100.000 Frauen in Europa – bei einer sehr hohen Dunkelziffer.
Die bislang nicht heilbare Erkrankung geht zurück auf einen Immun- und Barrieredefekt im Gewebe der ableitenden Harnwege, vor allem der schützenden Glykosaminoglykan-(GAG)-Schicht der Harnblase. Dadurch hat die Blasenwand ständig Kontakt mit toxischen Bestandteilen des Urins, was anhaltende Entzündungen auslösen kann. Multimodale Therapien, darunter Blaseninstallationen und Schmerztherapie, können nur ein Fortschreiten verhindern und Symptome lindern.
Mit Pentosanpolysulfat-Natrium (PPS) steht seit Oktober 2017 erstmals ein zugelassenes Medikament zur Verfügung, das oral angewendet wird. PPS, eine Heparin-ähnliche hydrophile Substanz, soll aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit zu den körpereigenen GAG die geschädigte Blasenwandschicht wieder aufbauen. Die Patienten nehmen dreimal täglich eine 100-mg-Kapsel Elmiron® ein.
Die Konsultationsfassung der Leitlinie soll in Kürze auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erscheinen. (bmg)
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Blasenschmerz-Syndrom: Zulassung von Elmiron, Meldung vom 15.06.2017
29.03.2018 l PZ
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