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Schwitzen in der Sauna: Das sollten Herzpatienten beachten

 

Menschen mit einer diagnostizierten Herzerkrankung sollten sich vor dem Gang in die Sauna unbedingt mit ihrem Arzt besprechen. Dazu rät der Kardiologe Dr. Vinzenz von Kageneck in einem Schreiben der Deutschen Herzstiftung. Vor allem Patienten mit Bluthochdruck, Herz-Rhythmus-Störungen, einer Erkrankung der Herzkranzgefäße oder Herzschwäche müssten abklären, ob, wie und bei welchen Temperaturen sie saunieren dürfen.

 

Auch in der Sauna muss der menschliche Körper seine Temperatur auf 37 Grad halten. Dazu nimmt das Blut übermäßige Wärme aus dem Körper auf und transportiert sie zu den kleinen Hautgefäßen, die die Wärme an die Luft abführen. Je mehr Blut vom Herzen durch die Hautgefäße gepumpt wird, desto mehr Wärme kann der Körper abgeben. Diese Mehrbelastung bewältigt ein gesundes Herz laut von Kageneck problemlos. «Ein krankes Herz dagegen kommt schneller an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit.» 

 

Vor allem eine plötzliche Abkühlung mit der Schwalldusche oder in einem kalten Becken sei für Herzpatienten bedenklich. Während des Saunagangs erweiterten sich die Blutgefäße deutlich, der Blutdruck sinke und die Pulsfrequenz steige – von anfangs 20 Prozent auf bis zu 50 Prozent bei Erreichen der maximalen Köperkerntemperatur, erklärt der Herzspezialist. Das steigere die gesamte Herzleistung um etwa 80 Prozent. Durch ruckartiges Abkühlen ziehen sich dann laut von Kageneck alle maximal weitgestellten Blutgefäße im Haut- und Unterhautgewebe plötzlich wieder zusammen. Eine große Menge Blut wird in kürzester Zeit ins Körperzentrum verschoben. «Dieses Volumen und der dabei massiv ansteigende Blutdruck belasten das Herz.» Der Kardiologe empfiehlt Herzpatienten daher, langsam abzukühlen, beispielsweise durch Umhergehen in kühlen Räumen oder lauwarmes Duschen.

 

Wer an koronarer Herzkrankheit – mit oder ohne überstandenen Infarkt – leide, soll laut von Kageneck darauf achten, mit langsam ansteigenden Temperaturen und Saunagängen von nur kurzer Aufenthaltsdauer zu beginnen. Er empfiehlt, währenddessen immer wieder den erlaubten Trainingspuls zu kontrollieren und nicht zu lange zu überschreiten. Im Schnitt entspreche ein Saunagang einer Belastung für das Herz von etwa 50 Watt, was schnellerem Gehen entspricht. Von Kageneck: «Bei Herzschwäche sollte daher eine Belastbarkeit von 50 Watt, besser noch 75 Watt, vorhanden sein.» Auch sollten Temperaturen von 60 bis 70 Grad während einer Eingewöhnungsphase an die Sauna nicht überschritten und auf regelmäßige Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Eine saunatypische Anwendung ist den Experten zufolge jedoch für alle Herz-Kreislauf-Patienten tabu: der Aufguss. (ke)

 

01.02.2018 l PZ

Foto: Fotolia/lightpoet