Trüb und grau: Was macht das Wetter mit unserer Psyche? |

Sonne und Tageslicht haben eine wichtige Wirkung auf Stoffwechselprozesse, bei denen Hormone ausgeschüttet werden. Bei Dunkelheit produziere der Körper Melatonin, das Schlafhormon, Helligkeit dagegen führe zu mehr Serotonin, dem Glückshormon, erklärt Ralph Schliewenz vom Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Entsprechend beeinflussten die Stoffe die Stimmung.
Laut Schliewenz werden Psychologen im November mehr in Anspruch genommen als in den Sommermonaten. «Wir merken, wenn die sogenannten saisonalen depressiven Phasen einsetzen. Winterdepressionen kehren zudem bei vielen Menschen von Jahr zu Jahr wieder.» Die Ursache sei nicht allein der Lichtmangel. Aber er könne vorliegende Probleme verstärken bis hin zu schweren Symptomen, die sich diagnostisch einordnen ließen und behandlungsbedürftig seien. Dazu gehören Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Mattheit, Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit, verstärkter Appetit auf Süßes, Gewichtszunahme. «Viele Menschen nutzen diesen Zustand aber auch, um es sich bewusst gemütlich zu machen, sich etwas zu gönnen, früh zu Bett zu gehen, viel zu schlafen, Plätzchen zu naschen», erklärt der Psychologe.
Problematisch werde es, wenn Funktionsbereiche betroffen sind: Wenn der Mensch morgens nicht mehr raus komme, im Job oder in der Schule fast einschlafe oder abschalte. Alarmzeichen seien zudem, wenn jemand den sozialen Rückzug antrete, Freunde und Kontakte vernachlässige, sich abkapsele und einigele. «Man muss jede Form von Depression ernstnehmen. Sie kann grundsätzlich tödlich sein», sagt Ralph Schliewenz.
30.01.2018 l PZ/dpa
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