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Lepra: Stigma verhindert oft Diagnose und Behandlung

 

Gegen die zunehmenden Lepra-Neuerkrankungen sollten die betroffenen Länder nach Ansicht von Experten die Kontrollen aufrecht erhalten oder gar verstärken. «Die Kontrollarbeit darf nicht aufhören, das ist gefährlich», sagte Harald Meyer-Porzky vom Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfswerk (DAHW) der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Welt-Lepra-Tags am 27. Januar. Problematisch sei, dass manche betroffenen Länder die Krankheit zu früh als besiegt erklären. «Von dem Moment an wird nicht mehr behandelt, und dann steigen die Zahlen der Neuerkrankungen wieder an.» Die DAHW ist eigenen Angaben zufolge in etwa 20 Ländern im Kampf gegen Lepra aktiv.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete im September einen leichten Anstieg der Neuerkrankungen. 2016 registrierte die WHO fast 215.000 neue Fälle, im Jahr zuvor waren es etwa 212.000. Aber: «Wir gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Denn es ist eine Krankheit, die Ängste auslöst», sagte Meyer-Porzky weiter. Auch aus Angst vor Stigmatisierung gingen viele Betroffene nicht zum Arzt. Das führe immer wieder zu Neuansteckungen.

Die Infektionskrankheit wird von Bakterien (Mycobacterium leprae) ausgelöst. Sie führt zu Geschwüren und Wunden sowie zu Verkrüppelungen und Behinderungen. Heutzutage ist Lepra heilbar. Die Hälfte der weltweiten Neuerkrankungen wird aus Indien gemeldet, aber auch Indonesien, Bangladesch, Brasilien, Kongo und Madagaskar sind betroffen. In Deutschland werden pro Jahr etwa fünf bis sechs Leprafälle diagnostiziert.

Der Übertragungsweg der Krankheit immer noch nicht sicher geklärt; vermutet wird eine Tröpfcheninfektion wie bei der Grippe. Die Inkubationszeit kann bis zu 20 Jahre betragen. Einen Impfstoff gibt es bislang nicht. Einige Kandidaten befinden sich jedoch in ersten klinischen Studien. Lepra kann mit Dapson und Rifampicin, bei resistenten Erregern kombiniert mit Clofamizin, geheilt werden. Wer behandelt wird, ist nicht mehr ansteckend. Trotzdem werden ehemalige Patienten weltweit weiterhin oft stigmatisiert und sozial isoliert.

 

26.01.2018 l PZ/dpa

Foto: WHO-PAHO/J.E. Cogan