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Brustkrebs: Überlebenschance unabhängig von BRCA-Genen

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Junge Brustkrebspatientinnen mit BRCA-Mutation haben nach OP und Chemotherapie dieselben Überlebenschancen wie Brustkrebspatientinnen ohne diese Mutation. Das haben britische Forscher in einer prospektiven Studie beobachtet, die von 2000 bis 2008 lief. Zu dieser Zeit wurde noch nicht standardmäßig auf BRCA-Mutationen getestet und eine Risikoreduktions-OP wie die präventive Entfernung der Brüste und Eierstöcke noch nicht so häufig in Erwägung gezogen wie heute. Zudem standen weniger zielgerichtete Therapien zur Verfügung.

Da die Frauen trotzdem die gleichen Überlebenschancen hatten wie andere Patientinnen, könnten risikoreduzierende Operationen zurückhaltender eingesetzt werden, mutmaßen die Wissenschaftler um Ellen R. Copson und Tom C. Maishman und von der Universität Southampton jetzt im Fachjournal «The Lancet Oncology». Heutzutage werde eine präventive Entfernung beider Brüste oder von Eileitern und Eierstöcken vielen Frauen mit BRCA-Mutation angeboten. «Unsere Ergebnisse deuten jedoch an, dass diese Operation nicht sofort mit der Krebsbehandlung stattfinden muss», kommentiert Seniorautorin Professor Dr. Diana Eccles. Die Entscheidung solle individuell erfolgen.

Frauen mit Mutation in den Genen BRCA1 oder BRCA2 haben eine Wahrscheinlichkeit von 45 bis 90 Prozent, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken. Ohne eine solche Mutation beträgt das Risiko 12,5 Prozent. Bei jüngeren Brustkrebspatientinnen ist der Anteil mit BRCA-Mutation höher als im höheren Alter. An der Studie nahmen 2733 Frauen teil, die im Alter von 18 bis 40 zum ersten Mal an einem Mammakarzinom erkrankt waren. Alle wurden auf BRCA-Mutationen getestet, 12 Prozent von ihnen positiv.

89 Prozent der Probandinnen bekamen eine Chemotherapie und fast alle wurden operiert, die Hälfte brusterhaltend, bei der anderen Hälfte wurden eine oder beide Brüste entfernt. Zwei Jahre nach der Therapie lebten noch 97 Prozent derjenigen mit BRCA-Mutation und 96,6 Prozent der anderen. Auch nach zehn Jahren fand sich kein statistisch relevanter Unterschied. Es lebten noch 73,4 Prozent der BRCA-Mutations-Trägerinnen und 70,1 Prozent der Vergleichsgruppe. Von den insgesamt 678 Todesfällen gingen 651 auf Brustkrebs zurück, 18 auf andere Krebserkrankungen und 9 auf andere Ursachen.

In einer Subgruppen-Analyse wurden 558 Frauen mit dreifach negativem Brustkrebs untersucht. Bei dieser Untergruppe weist der Tumor weder Estrogen- noch Progesteron- noch HER2/neu-Rezeptoren auf und ist besonders schwierig zu behandeln. Hier hatten Frauen mit BRCA-Mutation nach zwei Jahren sogar einen leichten Überlebensvorteil (95 versus 91 Prozent), den sich die Forscher nicht erklären können. Er ließ sich nicht mit risikoreduzierenden Operationen in Zusammenhang bringen. Nach fünf und zehn Jahren fand sich kein Unterschied mehr. Die Onkologen leiten daraus ab, dass Frauen mit dreifach negativem Brustkrebs und BRCA-Mutation eine risikoreduzierende OP um ein bis zwei Jahre herauszögern können, ohne ihre Langzeit-Überlebenschancen zu schmälern. So haben sie die Chance, sich zunächst von der Behandlung zu erholen. Trotzdem sei eine risikoreduzierende OP vermutlich von Vorteil. Hier müsse noch weiter geforscht werden, gerade mit Blick auf die noch vielen Lebensjahre, die eine junge Frau nach einer Brustkrebsbehandlung vor sich haben kann. (dh)

DOI: 10.1016/S1470-2045(17)30891-4

 

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12.01.2018 l PZ

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