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Ansteckungsgefahr: Bei Grippe Atmen verboten

Patienten mit Grippe brauchen weder zu husten noch zu niesen, um in ihrer Umgebung so viele Viren zu verteilen, dass sich andere damit anstecken können – Atmen allein reicht. Besonders infektiös sind Grippekranke einer Studie im Fachjournal «PNAS» zufolge direkt nach Einsetzen der Symptome, also zu Beginn der Erkrankung. Wer sich während der Grippesaison krank fühlt, sollte demnach nicht den Helden spielen, erst einmal noch arbeiten gehen und dort die Kollegen anstecken, sondern lieber gleich zu Hause bleiben.

 

Die Autoren um Dr. Jing Yan von der University of Maryland werteten im Rahmen ihrer Studie je 218 Nasenabstriche und 30-minütige Atemluft-Proben von 142 an Influenza erkrankten Personen aus. Alle Proben wurden an den Tagen 1 bis 3 nach Einsetzen der Symptome gewonnen. Im Feinpartikel-Aerosol der Atemluft fanden die Forscher in 39 Prozent der Fälle Influenza-Viren, in den Nasenabstrichen bei 89 Prozent. Unerwarteterweise war auch bei 11 von 23 Patienten, die während der Probenziehung nicht gehustet hatten (48 Prozent), in der Atemluft Virus-RNA nachweisbar, bei acht dieser Patienten in Mengen, die für eine Ansteckung ausreichen. Niesen kam selten vor und war genauso wenig wie Husten notwendig, um ein infektiöses Aerosol zu generieren.

 

Vorsichtsmaßnahmen wie häufiges Händewaschen und das Vermeiden des Kontakts mit hustenden und niesenden Patienten bieten dieser Studie zufolge keinen umfassenden Schutz vor einer Ansteckung mit Influenza. Um andere zu schützen, sollten Grippepatienten den Kontakt mit anderen möglichst ganz vermeiden, und zwar gleich ab Beginn der Erkrankung. Da eine echte Influenza mit einem ausgeprägten Krankheitsgefühl einhergeht, dürfte dies jedoch ohnehin meistens der Fall sein. Interessant wäre, ob für die sehr viel häufigere banale Erkältung dasselbe gilt, doch darüber macht die vorliegende Studie keine Aussage. (am)

 

DOI: 10.1073/pnas.1716561115

 

19.01.2018 l PZ

Foto: Fotolia/Thomas Söllner