Zyto-Skandal: NRW-SPD fordert mehr Transparenz |

Aus Sicht der nordrhein-westfälischen SPD greifen die Konsequenzen aus dem sogenannten Zyto-Skandal bislang zu kurz. Ein Apotheker aus Bottrop soll über Jahre bei der Herstellung onkologischer Rezepturen gepanscht und Zytostatika mit zu geringem Wirkstoffgehalt abgegeben haben. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte daraufhin im vergangenen August die Kontrollen der onkologischen Schwerpunkt-Apotheken verschärft. Seitdem müssen zudem nicht verbrauchte Onkologika, sogenannte Rückläufer, in der herstellenden Apotheke für Stichproben aufbewahrt werden.
Nach Meinung der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag ist das völlig unzureichend. Sie hat einen Antrag vorgelegt, mit dem sich das Landesparlament voraussichtlich im nächsten Jahr beschäftigen wird. «Vorfälle wie der Apothekenskandal in Bottrop müssen für alle Zeit verhindert werden», heißt es darin. Voraussetzung dafür sei vor allem mehr Transparenz. «Daher müssen Untersuchungen und Überprüfungen aller staatlichen Kontrollinstanzen lückenlos, regelmäßig und in enger Zusammenarbeit erfolgen.»Auch das dafür erforderliche Personal müsse «in ausreichender Form dauerharft sichergestellt werden».
Das System der Zulassung onkologischer Apotheken und die Kontrolle durch Amtsapotheker reichten offenbar nicht aus, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten, heißt es weiter. In Zukunft müsse es daher zusätzlich eine kaufmännische Prüfung geben, «bei der nachvollziehbar wird, dass Einkauf und Abgabe von Wirkstoffen zusammenpassen». Als Beleg könnte demnach ein entsprechendes Testat eines Wirtschaftsprüfers dienen.
Die Fraktion wünscht sich zudem einen anderen Umgang mit Rückläufern. Diese sollten eben nicht an die Apotheke zurückgehen, die sie hergestellt hat, sondern an eine Stelle der zuständigen Landesapothekerkammer. Diese soll die Präparate dann an das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker zur Untersuchung weiterleiten. Darüber hinaus fordert die SPD Unterstützung für die betroffenen Patienten, die massiv verunsichert seien. «Es gibt für sie keine Gewissheit, ob ihre Medikamente richtig oder falsch dosiert waren», heißt es. Die Landesregierung müsse daher mit den Krankenkassen eine Vereinbarung schließen, um eine Anlaufstelle für die psychoonkologische und psychosoziale Betreuung der Betroffenen einzurichten. (sch)
20.12.2017 l PZ
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