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Antidepressiva: Weiterer Wirkmechanismus entdeckt

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Selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRI) wirken auch bei Knock-out-Mäusen antidepressiv, die keinen Serotonin-Transporter an den Synapsen haben. Das haben Forscher des Uniklinikums Freiburg entdeckt. Eine Erklärung, warum die Antidepressiva bei den Versuchstieren trotzdem die Stimmung aufhellten, lieferten sie gleich mit: Sie blockieren den Calcium-Transport in die Nervenzellen. Das verbessert die synaptische Plastizität. Die Neuronen können leichter neue Verbindungen knüpfen und somit besser neue Reize verarbeiten und sich Stress anpassen – ein Mechanismus, der bei Depressiven beeinträchtigt ist, wie man bereits aus anderen Studien weiß.

«Wir haben entdeckt, dass SSRI diesen Anpassungsprozess normalisieren, indem sie die L-Typ-Calciumkanäle der Nervenzellen blockieren», erklärt Studienleiter Professor Dr. Claus Normann in einer Pressemitteilung. «Das verhindert eine stressbedingte Depression und hilft Tieren, die bereits depressionsähnliche Symptome zeigen.» Er betont: «Unsere Studie zeigt deutlich, dass diese Blockade ein wesentlicher Wirkmechanismus von Antidepressiva ist.» Publiziert sind die Ergebnisse im Fachjournal «Biological Psychiatry».

SSRI und andere Antidepressiva werden seit den 1960er-Jahren eingesetzt. Seitdem gab es kaum innovativen Weiterentwicklungen, die an anderer Stelle als am Monoamin-Mangel eingreifen. Die Studienautoren hoffen nun, dass sich auf Basis ihrer Ergebnisse neuartige, effektive Medikamente gegen Depressionen entwickeln lassen. «Das könnte Menschen helfen, bei denen bisherige Medikamente nicht oder kaum gewirkt haben», hofft Normann. (dh)

DOI: 10.1016/j.biopsych.2017.10.008

 

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07.12.2017 l PZ

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