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Rote-Hand-Brief: Exzessive Wehen unter Misoprostol

 

Bei einer Geburtseinleitung mit dem Prostaglandin-E1-Analogon Misoprostol (Misodel®) kann es zu einer exzessiven uterinen Tachysystolie kommen, die nicht auf wehenhemmende Mittel anspricht. Davor warnt Misodel-Hersteller Ferring Arzneimittel jetzt in einem Rote-Hand-Brief. Demnach wurden in klinischen Studien und nach Markteinführung des Arzneimittels Fälle extrem starker Wehen nach Geburtseinleitung mit Misoprostol beobachtet, die unter Tokolyse nicht nachließen, auch wenn das Arzneimittel entsprechend der Fach- und Gebrauchsanweisung angewendet wurde. Das vaginale Freisetzungssystem enthält 200 µg Misoprostol, von dem 7 µg pro Stunde über einen Zeitraum von 24 Stunden freigesetzt werden.


Als Maßnahmen empfiehlt der Hersteller nun, das Präparat bei Einsetzen aktiver Wehentätigkeit zu entfernen. Damit sind rhythmische, feste Kontraktionen gemeint, die Zervixveränderungen auslösen können. Spätestens, wenn der Muttermund vier Zentimeter weit geöffnet ist, sollte Misodel entfernt werden. Es darf zudem nicht länger als 24 Stunden angewendet werden.


Das Präparat muss sofort entfernt werden, wenn lang anhaltende oder exzessive Uteruskontraktionen auftreten oder Gefahr für Mutter und/oder das Kind herrscht. Als Tachysystolie gelten dabei mehr als fünf Kontraktionen innerhalb von zehn Minuten, gemittelt über einen Zeitraum von 30 Minuten. Als langanhaltend gilt eine Wehe, wenn sie zwei Minuten oder länger dauert. Wird die Geburt mit Misodel eingeleitet, sollten tokolytische Arzneimittel bereitgehalten werden. Wehenhemmer können unmittelbar nach Entfernen von Misodel gegeben werden. (dh)

 

Rote-Hand-Brief (externer Link, PDF)

 

27.11.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Kzenon