GLP-1-Rezeptor-Agonist: Tablette könnte Spritze ersetzen |

Die erste oral verfügbare Formulierung eines GLP-1-Rezeptor-Agonisten hat erfolgreich eine Phase-II-Studie absolviert und damit einen großen Schritt Richtung Zulassung gemacht. In der 26-wöchigen Dosisfindungsstudie senkten Tabletten mit dem von Novo Nordisk entwickelten neuen Wirkstoff Semaglutid den HbA1C-Wert von Typ-2-Diabetikern signifikant besser als Placebo. In Phase-III-Studien sollen jetzt über einen längeren Zeitraum Wirksamkeit und Sicherheit der Tablette überprüft werden, schreibt eine Autorengruppe um Dr. Melanie Davies von der University of Leicester in Großbritannien im Fachjournal «JAMA».
Die bei Typ-2-Diabetes eingesetzten GLP-1-Rezeptor-Agonisten imitieren die Wirkung des Darmhormons Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1). Sie haben mehrere Vorteile: Erstens ist die von GLP-1-Rezeptor-Agonisten vermittelte Blutzuckersenkung Glucose-abhängig und das Hypoglykämie-Risiko dadurch gering. Zweitens dämpfen sie das Hungergefühl und sorgen dadurch für eine Gewichtsreduktion der häufig übergewichtigen Patienten. Auch konnten positive Effekte auf den Blutdruck und die Blutfette gezeigt werden. Der Nachteil der Substanzklasse ist jedoch, dass es sich um Biomoleküle handelt, die gespritzt werden müssen, weil sie bei oraler Gabe im Gastrointestinaltrakt abgebaut würden.
Dieses Problem ist in der Semaglutid-Tablette durch Zugabe des Hilfsstoffs SNAC (Natrium-N-[8(2-Hydroxylbenzoyl)Amino]Caprylat) gelöst. SNAC sorgt im Magen für einen lokalen pH-Wert-Anstieg, was die Löslichkeit von Semaglutid verbessert und dieses gleichzeitig vor dem proteolytischen Abbau schützt. Die Aufnahme des Wirkstoffs erfolgt im Magen, vermutlich über die transzelluläre Route.
In der Phase-II-Studie, an der 632 Typ-2-Diabetiker teilnahmen, wurde Semaglutid als orale Formulierung einmal täglich gegeben, und zwar in Form einer Dosiseskalation von 2,5 mg bis 40 mg. Als Vergleich dienten Placebo-Tabletten sowie einmal wöchentliche subkutane Injektionen von 1,0 mg Semaglutid. Die orale Formulierung des GLP-1-Rezeptor-Agonisten senkte den HbA1C-Wert dosisabhängig um 0,7 bis 1,9 Prozent, subkutanes Semaglutid um 1,9 Prozent und Placebo um 0,3 Prozent. Auch das Körpergewicht der Teilnehmer sank, unter Tablettentherapie dosisabhängig um 2,1 bis 6,9 kg, unter Injektionen um 6,4 kg und unter Placebo um 1,2 kg. Nebenwirkungen betrafen hauptsächlich den Gastrointestinaltrakt, zum Beispiel Übelkeit, Dyspepsie und Bauchschmerzen, und waren meist mild bis mittelschwer ausgeprägt. (am)
DOI: 10.1001/jama.2017.14752
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19.10.2017 l PZ
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