Brustkrebs: 65 bislang unbekannte Risikomarker entdeckt |

Bislang waren rund 100 Erbgutvarianten bekannt, die das Risiko für eine Brustkrebserkrankung erhöhen. Ein internationaler Forschungsverbund hat nun weitere 65 Risikomarker identifiziert, melden die beteiligten Wissenschaftler im Fachmagazin «Nature». Dafür untersuchten die Forscher das Erbgut von rund 256.000 Frauen aus Europa, den USA, Australien und Südostasien, von denen etwa die Hälfte an Brustkrebs erkrankt war.
Die Forscher prüften für 11,8 Millionen sogenannter Single-Nucleotide-Polymorphismen (SNP) einen Zusammenhang mit dem Brustkrebsrisiko. 65 Erbgutregionen tragen demnach mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zur Krankheitsentstehung bei. Sie sind für etwa 4 Prozent des familiären Risikos verantwortlich und liegen größtenteils außerhalb der DNA, die für Proteine kodiert, nämlich in regulatorischen Abschnitten. Insgesamt seien nun geschätzte 18 Prozent der genetischen Risikovarianten bekannt, erklärte das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das an der Studie beteiligt war.
In der breiten Öffentlichkeit sind besonders die «Brustkrebsgene» BRCA1 und BRCA2 bekannt. Sie steigern das Erkrankungsrisiko dramatisch: Nach Schätzungen erkranken in Deutschland etwa 65 bis 75 Prozent der BRCA1-Mutationsträgerinnen und 45 bis 65 Prozent der BRCA2-Mutationsträgerinnen bis zu ihrem 70. Lebensjahr an Brustkrebs gegenüber 12 Prozent in der Allgemeinbevölkerung. Doch gelten diese Mutationen insgesamt als eher selten. Etwa eine von 500 Personen trägt eine Mutation im BRCA1-Gen; BRCA2 ist bei einer von 700 Personen mutiert.
«Darüber hinaus gibt es jedoch eine Vielzahl von Genvarianten, die jede für sich nur einen sehr geringen Zusammenhang mit der Erkrankungswahrscheinlichkeit zeigt. In ihrer Gesamtheit können sie aber zur Beurteilung des Brustkrebsrisikos und damit auch zu einer gezielteren Vorsorge beitragen», sagt Professor Dr. Hermann Brenner, Epidemiologe am DKFZ. Allgemein liegt das familiäre Risiko von Frauen, deren direkte Angehörige an einem Mammakarzinom erkrankt sind, etwa doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.
«Um das individuelle Brustkrebsrisiko jeder Frau in Zukunft genauer als bisher einschätzen zu können, wollen wir diese genetischen Marker in Modellrechnungen berücksichtigen, zusammen mit anderen bekannten Risikofaktoren», sagt Dr. Jenny Chang-Claude vom DKFZ in einer Pressemitteilung des Zentrums. «Schon anhand der heute bekannten genetischen Risikomarker lassen sich beispielsweise Frauen mit einem ungünstigen Risikoprofil identifizieren, deren Erkrankungsrisiko dreieinhalb Mal höher ist als das der Allgemeinbevölkerung. Unser Ziel ist, auf der Basis solcher Risikoprofile Brustkrebs-Screeningprogramme und Präventionsmaßnahmen individuell anzupassen.»
In Zukunft wollen die Forscher vermehrt Genvarianten untersuchen, die zwar seltener auftreten, dafür aber mit einem höheren Erkrankungsrisiko einhergehen. Bislang lag das Hauptaugenmerk laut DKFZ auf Genvarianten, die mit einer bestimmten Mindesthäufigkeit in der Bevölkerung vorkommen, zugleich aber nur schwache Zusammenhänge mit dem Brustkrebsrisiko zeigen. (dh)
DOI: 10.1038/nature24284
Mehr zum Thema Krebs und Zytostatika
24.10.2017 l PZ
Foto: Fotolia/ktsdesign