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Thüringen: Mehr Pharmazie mit weniger Apotheken

 

Apotheker sind in Thüringen immer gefragter, gleichzeitig nimmt die Zahl der Apotheken in dem Bundesland insbesondere im ländlichen Raum kontinuierlich ab. Dieser Trend bereitet der Landesapothekerkammer (LAK) und dem Thüringer Apothekerverband (ThAV) große Sorge, wie bei einem Pressegespräch am 16. August in Erfurt im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl deutlich wurde. Drohender Konkurrenzdruck durch ausländische Kapitalgesellschaften, die mit Rabatten auf verschreibungspflichtige Medikamente den deutschen Apothekenmarkt aufmischen, machen den Thüringer Apothekern zusätzlich zu schaffen. Sie appellieren daher eindringlich an die Politik, die Apotheken insbesondere auf dem Land zu stärken und den Rx-Versandhandel zu verbieten.

 

Nach Angaben von LAK-Präsident Ronald Schreiber (Foto, rechts) gibt es aktuell in Thüringen mit 550 Apotheken 21 Apotheken weniger als noch vor zehn Jahren. Darunter sind sieben Offizinen auf dem Land. Die betroffenen Gemeinden sind seither ohne Apotheke. Und während seit 2008 in den Städten 38 Schließungen immerhin durch 34 Neueröffnungen kompensiert wurden, ist das in kleineren Gemeinden und auf dem Land nicht so: Dort standen 27 Schließungen lediglich zehn Apotheken-Neugründungen gegenüber. «Die Apothekenschließungen haben keine wirtschaftlichen Gründe, sondern sind rein dem Nachwuchsmangel geschuldet», betonte Schreiber. Und dabei sind Apotheker gefragter denn je, denn die pharmazeutischen Anforderungen und Aufgabenbereiche in der Offizin nehmen Schreiber zufolge stetig zu. Nicht zuletzt die Nachfrage nach einem strukturierten Medikationsmanagement, wie es die Modellregion Sachsen Thüringen in dem Projekt ARMIN seit 2016 umsetzt, erweitert das Aufgabenfeld.

 

Derzeit arbeiten in Thüringen rund 1100 Apotheker als Inhaber und als Angestellte. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: Ende 2007 waren es 865 Apotheker. Ein Grund ist, dass in den neuen Bundesländern die Pharmazie-Ingenieure, die auch als Vertreter von Apothekern eingesetzt werden, zunehmend aus dem Dienst ausscheiden. Diese fehlenden Kräfte gilt es ebenfalls mit Nachwuchspharmazeuten zu kompensieren.

 

Die Thüringer Apothekerschaft fordert die Politik daher auf, dem Nachwuchsmangel und dem drohenden Schwund der Landapotheken in ihrem Bundesland entgegenzuwirken. Dabei sieht sie die Folgen des Urteils des Europäischen Gerichtshofs aus dem Oktober 2016, aufgrund dessen EU-Versender Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente anbieten dürfen, deutsche Vor-Ort-Apotheken aber nicht, als eindeutig kontraproduktiv. «Dies greift vor allem Apotheken auf dem Land an, die ohnehin einen geringeren Umsatz haben», so der ThAV-Vorsitzende Stefan Fink (Foto, links). Das ganze System stehe auf der Kippe. Nun stehe der Einzelhändler in Konkurrenz zu Kapitalgesellschaften wie beispielsweise Zur Rose. Dieses Spiel könnten die Präsenz-Apotheker nicht gewinnen. Nur ein Verbot des Rx-Versandhandels, wie auch von Union und Linkspartei gefordert, könne wieder Wettbewerbsgleichheit garantieren. (et)

 

17.08.2017 l PZ

Foto: PZ/Ev Tebroke