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Männer geben doppelt so viele Sexpartner an wie Frauen

 

Männer in Deutschland haben nach eigenen Angaben im Leben im Schnitt schon mit zehn Partnerinnen Sex gehabt, Frauen aber nur mit fünf Partnern. So lautet ein Ergebnis einer repräsentativen Studie zum Sexualverhalten in Deutschland, die im «Deutschen Ärzteblatt» veröffentlicht wurde. 2524 Menschen ab 14 Jahren wurden per Fragebogen befragt. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

 

Der Unterschied ist erstaunlich groß und statistisch kaum zu erklären. Neu ist er allerdings nicht: Solche Diskrepanzen hätten sich in der bisherigen Sexualforschung auch schon ergeben, schreiben die Forscher um die Erstautorin Julia Haversath von der Technischen Universität Braunschweig. Beteiligt waren auch Psychologen aus Hildesheim, Jena und Hannover. Beim Antworten schummelten die Befragten vermutlich etwas.

 

Arne Dekker vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), der nicht an der Studie beteiligt war, hat eine ähnliche Erklärung: «Sie inszenieren damit auch ihre Geschlechterrollen», sagt er. Manche Männer glauben, es sei attraktiv und gesellschaftlich anerkannt, viele Sexpartner zu haben, bei Frauen sei oft das Gegenteil der Fall.

 

Dass Männer doppelt so viele Partnerinnen im Bett haben sollen wie Frauen Partner, sei aber durchaus «ein großer Unterschied», räumt Dekker ein. «Man würde ja denken, es sollte irgendwie aufgehen.» Einer der statistischen Faktoren könnte demnach sein, dass acht Prozent der befragten Männer schon zu Prostituierten gegangen sind. Diese Gruppe hatte im Mittel mit vier Prostituierten sexuellen Kontakt. Die Forscher fragten zudem nicht, ob die Teilnehmer Sex im Ausland hatten.

 

Die Studie bietet über das sexuelle Selbstbild der im Schnitt 48,5 Jahre alten Befragten hinaus noch weitere Erkenntnisse aus den Betten der Republik. Die meisten Menschen – das überrascht kaum – haben Erfahrungen mit Vaginalverkehr gemacht: 88 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen hatten schon solchen Sex. Oral befriedigt wurden schon einmal 56 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen.

 

Die große Mehrheit der Männer (86 Prozent) und Frauen (82 Prozent) gab an, heterosexuell zu sein. 5 Prozent der Männer und 8 Prozent der Frauen hatten schon einmal gleichgeschlechtliche Kontakte. Jeweils ein Prozent gab an, rein homosexuell zu sein. Einige machten keine Angaben oder gaben an, dass keine dieser Kategorien zutreffe.

 

Sexuell am aktivsten ist erwartungsgemäß die Gruppe der 25- bis 29-Jährigen. In diesem Alter haben Männer nach eigenen Angaben im Schnitt 60 Mal Vaginalverkehr pro Jahr, Frauen 47 Mal. Danach sinkt die Häufigkeit stetig: Männer im Alter von 50 bis 59 Jahre haben demnach 34 Mal pro Jahr solchen Sex, Frauen 22 Mal.

 

Auch bei der Treue gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau: Eigenen Angaben nach ist rund jeder fünfte Mann (21 Prozent) in einer Partnerschaft schon einmal fremdgegangen. Bei den Frauen betrug der Anteil 15 Prozent. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) hatte ein festen Partner.

 

Hintergrund der Befragung ist, dass nach Angaben der Autoren in Deutschland bevölkerungsbasierte Daten zur Häufigkeit von verschiedenen sexuellen Verhaltensweisen fehlen. Die aber seien wichtig, «besonders in Bezug auf die Prävention und Behandlung sexuell übertragbarer Infektionen». Das sieht der Hamburger Forscher Dekker ähnlich. Er wertet die Studie als «kleine, verdienstvolle Ergänzung, die erstmals repräsentative Angaben zum Sexualleben der Gesamtbevölkerung macht». Allerdings erlaube sie kaum Rückschlüsse auf die Verbindungen von Sexualverhalten und medizinischen Fragen.

 

DOI: 10.3238/arztebl.2017.0545

 

24.08.2017 l dpa

Foto: Fotolia/Forgiss