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Blasenentzündung: Bikini & Co. nach dem Baden wechseln

Häufiges Schwimmengehen kann Harnwegsinfekte vor allem bei Frauen begünstigen. Wie die Apothekerkammer Niedersachsen in einer Presseaussendung erklärt, liegt die Ursache dafür häufig an einer Unterkühlung durch nasse Badebekleidung. Die daraus resultierende schlechtere Durchblutung der Schleimhaut führe vor allem bei Frauen, die bereits mit Harnwegsinfekten zu kämpfen haben, schnell zu einer neuen Entzündung.

 

Bei Besuchen in Schwimmbädern oder Baden im Meer solle die Badekleidung daher direkt nach dem Schwimmen gewechselt werden. Generell spiele auch die richtige Intimhygiene eine Rolle, so die Kammer weiter. Sie empfiehlt, die Blase regelmäßig und vollständig zu entleeren, vor allem nach dem Geschlechtsverkehr. Nach dem Stuhlgang sei auf eine Reinigung von «vorne nach hinten» zu achten, um keine Darmbakterien in die Vagina einzuschleppen. Nicht zu empfehlen seien Intimsprays, da diese die körpereigene Vaginalflora zerstörten. Ebenso Slipeinlagen, die laut dem Schreiben für ein feuchtes, bakterienfreundliches Milieu sorgen.

 

Treten Harndrang, Brennen beim Wasserlassen und krampfartige Schmerzen im Unterbauch dennoch auf, sollten die Betroffenen einen Arzt aufsuchen, so die Kammer. Vor allem bei Männern könne sich aus einer unkomplizierten Blasenentzündung schnell eine schwerwiegende Entzündung mit aufsteigender Infektion zu den Nieren hin entwickeln. Einen sofortigen Arztbesuch bei oben genannten Symptomen empfiehlt die Apothekerkammer zudem auch Kindern, Schwangeren, Diabetikern sowie Patienten, die unter einer Niereninsuffizienz leiden oder beispielsweise durch eine Chemotherapie immungeschwächt sind.

 

Welche Therapie nach der Diagnose einer unkomplizierten Blasenentzündung sinnvoll ist, sollte immer ein Arzt entscheiden. So könne die Entzündung mit einem Antibiotikum behandelt werden, eine unkomplizierte Blasenentzündung bei sonst gesunden Patienten in manchen Fällen jedoch auch ohne Antibiotika abklingen. Die Gabe von Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder dem krampflösenden Wirkstoff Butylscopolaminbromid sei bei leichten bis mittleren Beschwerden innerhalb der ersten drei Tage möglich. Heilpflanzentees aus Goldrutenkraut, Birkenblättern, Hauhechel oder Orthosiphonblättern unterstützen die Therapie; Bärentraubenblätter haben laut den Apothekern sogar eine antimikrobielle Wirkung. Die Einnahme von Mannose kann laut Apothekerkammer das Anheften der Bakterien an der Blasenschleimhaut verhindern. Zudem helfe Warmhalten, Ruhe und das Trinken von viel Wasser.

 

Dringend zu ärztlicher Behandlung rät die Apothekerkammer bei Rückenschmerzen in der Nierengegend, Fieber und Schüttelfrost, starken Schmerzen mit Übelkeit und Erbrechen oder Verfärbungen beziehungsweise Blut im Urin. Dies könne auf eine komplizierte Blasenentzündung oder Nierenbeckenentzündung hinweisen. (ke)

 

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01.08.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Antje Lindert-Rottke