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Rabattarzneimittel: Nur noch jedes vierte ist zuzahlungsfrei

 

Nur noch knapp ein Viertel (23,7 Prozent) der Rabattarzneimittel ist teilweise oder komplett von der gesetzlichen Zuzahlung befreit. So lautet das Resümee der ABDA zur Jahresmitte. 2008, ein Jahr nach Inkrafttreten der Verpflichtung der Apotheken zur Abgabe von Rabattarzneimitteln, habe die Zahl der Befreiungen noch bei 60 Prozent gelegen. Bereits 2012 sei die Quote auf 42 Prozent, 2016 auf 23 Prozent gesunken.

 

Die Zuzahlungen für Arzneimittel, die gesetzliche Krankenkassen ihren Versicherten in den Apotheken abverlangen, habe dagegen zugenommen: Nach Berechnungen des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) waren dies im 2007 noch 1,6 Milliarden, 2012 schon 1,9 Milliarden bis inzwischen mehr als 2,1 Milliarden Euro (2016).

 

DAV-Patientenbeauftragter Berend Groeneveld: «Die Versorgung der Patienten durch die Apotheken wird durch Rabattverträge teilweise erschwert, und es gibt zusätzlichen Erklärungsbedarf.» Die Krankenkassen jedoch sparten dadurch jedes Jahr mehrere Milliarden Euro ein. «Es ist unverständlich, warum die Krankenkassen ihre Versicherten nicht an diesen Ersparnissen beteiligen.» Jede Krankenkasse habe bei jedem Rabattvertrag die Chance, ihre Versicherten zu entlasten, indem sie ihnen die Zuzahlung erlasse, zumal die Kostenvorteile aus den Rabattverträgen weiter ansteigen, so Groeneveld weiter.

 

Ein Rabattvertrag zwischen Krankenkasse und Pharmahersteller führt dazu, dass die Versicherten der Krankenkasse auf Rezept nur die Medikamente ihres Vertragspartners erhalten, während der Pharmahersteller für diese Zusage einen Mengenrabatt gewährt. Die Krankenkassen können jeweils entscheiden, ob sie ihre Versicherten bei den rabattierten Medikamenten von der gesetzlichen Zuzahlung in Höhe von 5 bis 10 Euro pro rezeptpflichtige Packung entbinden – entweder komplett oder zur Hälfte. Im Jahr 2016 haben die Krankenkassen durch Rabattverträge rund 3,9 Mrd. Euro eingespart. Im ersten Quartal 2017 beliefen sich die Ersparnisse schon auf 950 Mio. Euro. (ke)

 

12.07.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Coloures-Pic