Säureblocker: Zu Unrecht in Verruf geraten |

Bei gegebener Indikation sind Protonenpumpeninhibitoren (PPI) auch in der Daueranwendung sichere Medikamente und sollten Patienten deshalb nicht aus Furcht vor Nebenwirkungen vorenthalten werden. «Die derzeit diskutierten potenziellen, aber eher unwahrscheinlichen Risiken von PPI sollten nicht dazu führen, dass Patienten mit gesicherter Indikation für eine säurehemmende Therapie unnötig verunsichert werden», sagte Professor Dr. Irmtraut Koop, Gastroenterologin und Beiratsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, kürzlich bei einer Pressekonferenz der Fachgesellschaft in Berlin.
In den vergangenen Jahren hatten verschiedene Publikationen die Langzeitanwendung von PPI mit einem erhöhten Risiko für diverse Nebenwirkungen in Verbindung gebracht, darunter Schenkelhalsfraktur, Lungenentzündung, Infektionen mit Clostridium difficile, Herzinfarkt, Niereninsuffizienz, Demenz und Schlaganfall. «Die Daten legen statistisch ein erhöhtes relatives Risiko von Nebenwirkungen nahe. Ob tatsächlich ein kausaler Zusammenhang vorliegt, konnte bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden», betonte Koop. Alle prospektiv erhobenen Daten sprächen gegen ein Risiko einer langfristigen PPI-Therapie.
Indikationen hierfür sind etwa die chronische Refluxkrankheit, wiederholte oder komplizierte Geschwüre im Magen beziehungsweise Zwölffingerdarm oder eine zwingend sinnvolle Behandlung mit nicht steroidalen Antirheumatika. Dass PPI in diesen Fällen sinnvoll sind, sei durch wissenschaftliche Studien sehr guter Qualität nachgewiesen und mit entsprechend klaren Handlungsanweisungen in deutschen Leitlinien verankert, so Koop. Frei verkäufliche PPI sollten Patienten jedoch nicht länger als 14 Tage regelmäßig einnehmen, ohne ihren Hausarzt befragt zu haben. (am)
07.06.2017 l PZ
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