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Leistungsdruck und Kostensenkung stressen Arbeitnehmer

 

Leistungsdruck, ausgedünnte Personaldecken und Kostensenkung im Betrieb setzen viele Arbeitnehmer unter psychischen Stress. Das geht aus einer umfassenden Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hervor. So hätten Experten für Krankheitsvorbeugung in Betrieben den Stressfaktor Arbeitsverdichtung am häufigsten als Risiko für die psychische Gesundheit benannt.

 

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte: «Flexibilität bei der Arbeitszeit, Druck und Mehrarbeit können krank machen.» Fast jede zweite Frühverrentung sei die Folge seelischer Leiden. Die Studie wurde anlässlich eines Kongresses des Nahles-Ministeriums mit der Bundesanstalt, dem Arbeitgeberverband BDA und dem Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) veröffentlicht. Es handelt sich um den Abschlussbericht eines Forschungsprojekts.

 

Als zentrales Ergebnis fanden die Arbeitsschutzforscher heraus, dass es der Gesundheit der Arbeitnehmer gut tut, wenn sie Handlungs- und Entscheidungsspielraum, vielfältige und vollständig leistbare Aufgaben haben. Sonst leiden Wohlbefinden und Motivation. Burnout, Erschöpfung, Ermüdung, Depression und Angst können Folgen übermäßiger Arbeitsverdichtung sein, so ein weiteres Ergebnis.

 

Auch zunehmende Dauer der Arbeit und Arbeit zu sozial wertvollen Zeiten wirken demnach negativ auf die Gesundheit. Vorhersehbarkeit und Planbarkeit von Arbeitszeit sind zentral für die Gesundheit. Schichtarbeit, zu lange Arbeitszeiten und ausbleibende Pausen können krank machen. Bei emotional anspruchsvoller Arbeit, vor allem im Dienstleistungsbereich, kann es zu Burnout und Arbeitsunzufriedenheit kommen, etwa wenn es häufiger Konfrontationen mit unzufriedenen Kunden gibt. Beschäftigte sollten sich schwierigen Situationen auch einmal entziehen können, so der Rat der Experten.

 

Destruktive Führung setzt Arbeitnehmer der Studie zufolge unter Stress. Aufgaben- und mitarbeiterorientierte Führung hingegen beugt psychischen Leiden vor. Unklarheit über Ziele der Arbeit und die Rollen der Beteiligten ist riskant. Die Führungskraft steht zwischen Mitarbeiter und Gesamtfirma und sollte vermitteln und klären, Unterstützung und Wertschätzung geben.

 

Besonders gefährlich wird es laut der Studie, wenn mehrere Stressfaktoren zusammenkommen. Beste Chancen für eine gesundheitlich förderliche Arbeitsgestaltung gebe es, wenn etwa ein Betrieb neu aufgebaut werde. Weitaus häufiger sei es jedoch, dass Unternehmen riskante Umstände korrigieren müssten.

 

08.05.2017 l dpa

Foto: Fotolia/Photographee.eu