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Lebenserwartung von HIV-Patienten fast normal

 

Menschen mit HIV-Infektion haben heute in Industrieländern dank moderner Medikamente eine annährend normale Lebenserwartung. Ein 20-jähriger Patient, der zwischen 2008 und 2010 eine antiretrovirale Therapie (ART) begonnen hat, stirbt laut einer aktuellen Studie im Fachjournal «The Lancet HIV» voraussichtlich im Alter von 78 Jahren. Damit hat sich die Lebenserwartung von HIV-Patienten seit der Einführung der ART im Jahr 1996 etwa um neun Jahre für Frauen und zehn Jahre für Männer erhöht – zumindest in Ländern mit funktionierendem Gesundheitssystem. Das berichtet die international zusammengesetzte Antiretroviral Therapy Cohort Collaboration.

 

Die Forschergruppe hatte für ihre Analyse die Daten von 88.504 Patienten aus Nordamerika und Europa ausgewertet. Diese sind aus Sicht der Autoren repräsentativ für die Versorgungssituation in diesen Regionen und die Ergebnisse somit generalisierbar für die Situation von HIV-Infizierten unter ART in Industrienationen. Kritisch ist demnach vor allem das erste Jahr einer ART-Therapie, weil etwa Patienten, die erst in weit fortgeschrittenen Krankheitsstadien eine Therapie beginnen, trotz ART sterben. Ein Teilergebnis, das aus Sicht der Autoren für einen frühen Therapiestart im Verlauf einer HIV-Infektion spricht.

 

Die Ursachen dieser positiven Entwicklung sieht die Gruppe in neueren antiretroviralen Arzneistoffen, die besser verträglich sind als die Substanzen, die zu Beginn der ART-Ära eingesetzt wurden, einer daraus resultierenden besseren Adhärenz sowie Verbesserungen beim Management von Komorbiditäten. Ärzte würden HIV-Patienten mittlerweile viel stärker auch auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Hepatitis-C-Infektion und Krebs screenen und diese Krankheiten behandeln, seit sie davon ausgehen könnten, dass die Patienten ein hohes Lebensalter erreichen werden. Die Patienten selbst wiederum sporne die Perspektive eines langen Lebens dazu an, einen weniger riskanten Lebensstil zu führen, beispielsweise das Rauchen aufzugeben und ihre Medikamente gewissenhaft einzunehmen.

 

Nicht alle HIV-Patienten profitieren jedoch im gleichen Maß von den erreichten Fortschritten. Vulnerable Gruppen, zu denen etwa Menschen mit intravenösem Drogenkonsum gehören, müssten daher aus Sicht der Autoren gezielt adressiert werden. Bei der ART sei das Optimierungspotenzial weitgehend ausgeschöpft: Die modernen Medikamente seien so effektiv und gut verträglich, dass die Entwicklung neuer Substanzen keinen nennenswerten Fortschritt bringen würde. (am)

 

DOI: 10.1016/S2352-3018(17)30066-8

 

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12.05.2017 l PZ

Foto: Fotolia/ronstik