Herzinfarkt: Nicht immer sind die Symptome typisch |

Die klassischen Symptome eines Herzinfarkts sind gut bekannt: Schmerzen und Druckgefühl in der Brust, die in Hals, Kiefer und den linken Arm ausstrahlen, sowie Atemnot. Die «Herzenge» (Angina pectoris) kann begleitet sein von Übelkeit, Kaltschweißigkeit, fahler Gesichtsfarbe und Todesangst. «Doch auch untypische Symptome wie Erbrechen, Oberbauchschmerzen oder stechende Brustschmerzen kommen vor und schließen einen Herzinfarkt nicht aus», berichtete Dr. Simon Schneider, Oberarzt am Klinikum Garmisch-Partenkirchen, bei einer Fortbildung der Bayerischen Landesapothekerkammer in München. Frauen hätten häufiger atypische Beschwerden wie gastrointestinale Symptome. «Bei älteren Patienten oder Menschen mit Diabetes oder Demenz treten oft nur Schwächeanfall, Luftnot oder Verwirrtheit auf.»
Im EKG könne der Arzt schnell erkennen, ob und welchen Herzinfarkt ein Patient erlitten hat, zum Beispiel einen ST-Hebungs-Myokardinfarkt (STEMI) oder Nicht-ST-Hebungs-Myokard infarkt (NSTEMI) sowie Vorder- oder Hinterwandinfarkt. Ein normales EKG schließe einen NSTEMI aber nicht aus, betonte der Arzt.
Dieser kann anhand des Troponin-Werts im Serum erkannt werden. «Kardiales Troponin ist spezifisch, da diese Proteine nur vom Untergang von Herzmuskelzellen herrühren», erklärte Schneider. Der Wert steige erst drei bis vier Stunden nach der Ischämie an. Ein erhöhtes Troponin bei der Krankenhausaufnahme des Patienten bedeute ein erhöhtes Mortalitätsrisiko. Der Biomarker steigt «immer an, wenn Herzmuskel untergeht». Möglich ist dies auch bei Myokarditis, Lungenembolie, Lupus erythematodes mit Herzbeteiligung, dekompensierter Herzinsuffizienz, hypertensiver Krise oder heftigem Schlag aufs Herz, zum Beispiel bei einem Unfall (Contusio cordis).
Aktuelle Leitlinien definieren den akuten Myokardinfarkt heute als Troponin-Erhöhung plus mindestens ein typisches Zeichen wie Angina pectoris oder EKG-Veränderungen. (bmg)
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24.04.2017 l PZ
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