Herdenimmunität: Impfen für die Gemeinschaft |

Um die Impfbereitschaft zu steigern, lohnt es sich, an den Gemeinsinn zu appellieren. Wenn über die sogenannte Herdenimmunität aufgeklärt wird, steigt die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, berichten Forscher um Dr. Cornelia Betsch von der Universität Erfurt im Fachjournal «Nature Human Behaviour».
Herdenimmunität bezeichnet den Effekt, dass sich ein Erreger innerhalb einer Population nicht mehr ausbreiten kann, wenn viele Individuen gegen ihn immun sind. Dadurch sind in der Population auch nicht geimpfte Individuen geschützt. Das ist besonders wichtig für Personen, die nicht geimpft werden dürfen, weil sie etwa an einer chronischen Krankheit leiden oder immunsupprimiert sind, und für Neugeborene, die noch nicht geimpft werden konnten.
Um zu prüfen, ob das Wissen über die Herdenimmunität die Impfentscheidung beeinflusst, starteten die Forscher um Betsch eine kulturvergleichende Studie. In einem Online-Experiment befragten sie insgesamt etwa 2000 Personen in den Niederlanden, den USA, Deutschland, Südkorea, Vietnam und Hong Kong und Indien. Ein Teil der Teilnehmer wurde in Textform oder durch eine interaktive Simulation über das Prinzip des Gemeinschaftsschutzes aufgeklärt. Der Rest erhielt hierzu keine Informationen und diente als Kontrollgruppe. Danach sollten sich die Teilnehmer für oder gegen eine Impfung gegen jeweils einen fiktiven hoch ansteckenden und einen weniger ansteckenden Erreger entscheiden.
In den westlichen Ländern war die Impfbereitschaft in der aufgeklärten Gruppe höher als in der Kontrollgruppe. So stieg die Impfbereitschaft beim wenig ansteckenden Erreger durch die Information zur Herdenimmunität von 45 Prozent auf 57 Prozent. Wenig Effekt hatte die Aufklärung auf die Entscheidung, sich gegen den hoch kontagiösen Erreger impfen zu lassen. Hier reichte wohl die Angst vor der Erkrankung als Argument für die Impfung aus. Denn die Impfbereitschaft lag in der aufgeklärten Gruppe mit 77 Prozent nur minimal höher als in der Kontrollgruppe mit 75 Prozent.
In Asien war die Impfbereitschaft generell höher. Dort werden Entscheidungen ohnehin eher mit Blick auf das Gemeinwohl getroffen, vermuten die Autoren. «Über Gemeinschaftsschutz zu informieren, gehört für uns zu einer guten Impfaufklärung dazu», resümiert Mitautor Dr. Robert Böhm von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen in einer Mitteilung der Universität Erfurt. «Dadurch wird klar, dass Impfen nicht nur eine Entscheidung für mich oder mein Kind ist, sondern Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft hat.» (ch)
DOI: 10.1038/s41562-017-0056
Link zur Simulation des Prinzips der Herdenimmunität: http://rocs.hu-berlin.de/D3/herd/musketierprinzip/ (externer Link)
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27.03.2017 l PZ
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