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Psychologische Beratung in Südtiroler Apotheken

 

In Südtirol können sich Patienten seit diesem Jahr in ihrer Apotheke psychologisch beraten lassen. Wie die Psychologenkammer der Provinz Bozen mitteilte, ist dort Anfang Januar das Projekt «Der Psychologe in der Apotheke» gestartet. Es war zuvor bereits erfolgreich in anderen Regionen Italiens getestet worden.

 

Das Projekt sieht vor, dass neben dem Apothekenpersonal an bestimmten Wochentagen auch ein Psychologe in der Apotheke arbeitet. Für 46 Euro können sich Patienten von diesem anonym beraten lassen. 36 Euro gehen an den Psychologen, 10 Euro an die Apotheke. Pro Patient sind zwei Gespräche vorgesehen, nur bei Bedarf wird er anschließend in eine ambulante Therapie vermittelt.

 

Mit der Beratung in Apotheken habe man eine erste Anlaufstelle für Menschen mit psychosozialen Problemen schaffen wollen, heißt es bei der Psychologenkammer. Die Apotheke sei für viele Menschen schnell und unkompliziert erreichbar. Ziel des Projekts ist die Früherkennung von psychischen Leiden. Außerdem wolle man die Apotheke als Ort nicht nur für die körperliche, sondern auch für die psychosoziale Genesung bekannt machen.

 

Apotheken, die an dem Projekt teilnehmen wollen, müssen über einen separaten Beratungsraum verfügen und den Schutz der Patientendaten garantieren. Psychologen müssen bei der Psychologenkammer registriert sein und beide Landessprachen Südtirols – also deutsch und italienisch – beherrschen. Die Gesprächsaufzeichnungen werden vom Psychologen aufbewahrt, das Apothekenpersonal darf sich nicht nach Gesprächsinhalten erkundigen.

 

Die Apothekenmitarbeiter sollen jedoch ihre Kunden auf das Angebot aufmerksam machen und dabei gezielt jene Patienten ansprechen, bei denen sie psychosoziale Probleme vermuten. Auch Menschen mit familiären Problemen und Erziehungsfragen sollen das Angebot nutzen können. (ap)

 

06.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Alexander Raths