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Octenisept: Erneut Gewebeschäden nach Wundspülung

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Bei nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch des Wund- und Schleimhautantiseptikum Octenisept® ist es erneut zu schweren Gewebeschäden gekommen, teilt die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) mit. Sie hatte im Zeitraum von 2008 bis 2011 bereits drei Rote-Hand-Briefe herausgegeben, die vor schweren Gewebeschäden durch die Spülung tiefer Wunden mit Octenisept warnten.

Betroffen war in diesem Fall ein  zehnjähriges Mädchen, das in einen rostigen Nagel getreten war. Die tiefe Wunde, die fast durch den kompletten Fuß ging, wurde im Krankenhaus mehrfach mit Octenisept gespült. Der Fuß entzündete sich, eine Antibiotikatherapie blieb wirkungslos, Abstriche waren bakteriennegativ. Das Mädchen wurde mehrfach operiert. Wie bei anderen Fallberichten war ein Teil der Muskeln teils fettig, teils bindegewebsartig umgebaut und musste entfernt werden. Es sei mit einem deutlichen bleibenden Schaden am Fuß zu rechnen.

Eine typische Komplikation nach Spülung tiefer Wunden mit Octenisept, das die Wirksubstanzen Octenidinhydrochlorid und Phenoxyethanol enthält, urteilt die AkdÄ. Sie weist darauf hin, dass das Antiseptikum nur zur oberflächlichen Anwendung bestimmt ist und mittels Tupfer oder Aufsprühen appliziert werden soll. Es darf nicht in die Tiefe des Gewebes eingebracht werden, vor allem nicht mittels Spritze oder ähnlichen Applikationshilfen, da hier ein hoher Druck entsteht, wodurch das Desinfektionsmittel ins interstitielle Gewebe gelangt. Aber auch so könnte es bei langer Kontaktzeit zu Gewebeschäden kommen.

Insbesondere bei Kindern sei es bereits zu mehreren Zwischenfällen mit bleibenden Schäden und Funktionseinschränkungen gekommen, berichtet die AkdÄ. Als Alternative empfiehlt sieSie empfiehlt bei akuten tiefen, insbesondere verschmutzten Wunden eine chirurgische Wundreinigung (Débridement), gegebenenfalls in Kombination mit isotoner Kochsalzlösung oder Polyhexanid-Lösung. (dh)

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03.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/georgerudy (Symbolbild)