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Alkohol: Wenn die Ehe endet, beginnt die Sucht

 

Eine Scheidung oder der Tod des Ehepartners erhöhen das Risiko für Alkoholmissbrauch deutlich und anhaltend. Eine neue Heirat senkt es dagegen wieder. Das folgern Forscher aus der Analyse der Datensätze von fast einer Millionen Schweden. Dafür griff das Team um den US-amerikanischen Psychiatrie- und Genetikprofessor Dr. Kenneth S. Kendler auf verschiedene schwedische Register zurück. So konnten die Wissenschaftler alkoholassoziierte medizinische Diagnosen, entsprechende Arzneimittelverordnungen und auch Kriminalitätsstatistiken und Eheregister einsehen. Ausgeschlossen waren Personen, die bereits vor der Heirat durch Alkoholprobleme auffällig geworden waren.

Demnach steigt das Risiko für Alkoholismus nach einer Scheidung für Männer um den Faktor 6, für Frauen um den Faktor 7,3, schreiben die US-amerikanischen und schwedischen Forscher in «The American Journal of Psychiatry». Durch Berücksichtigung verschiedener Faktoren konnten sie zeigen, dass die Scheidung ursächlich für den erhöhten Alkoholkonsum war und nicht etwa schon zuvor eine Sucht bestand oder die Sucht gar der Scheidungsgrund war.

«Die Studie zeigt, dass zwischenmenschliche Beziehungen einen großen Einfluss auf das Risiko für Alkoholismus haben können», kommentiert Kendler, Direktor des Virginia Institute of Psychiatric and Behavioral Genetics. «Soziale Faktoren sind wirklich wichtig.» So zeigen auch Subanalysen von Zwillingen, dass geschiedene Geschwister ein erhöhtes Risiko für Alkoholsucht haben. Auch der Tod des Partners erhöhte die Wahrscheinlichkeit, für Männer um den Faktor 3,85 und für Frauen um den Faktor 4,1.

In einer früheren Studie hatten Kendler und Kollegen bereits zeigen können, dass die Ehe im Allgemeinen vor Alkoholproblemen schützt. «Verheiratete Partner achten eher aufeinander und meiden gefährliche Verhaltensweisen wie Rauchen und Trinken», so Kendler. «Nicht der Stress der Scheidung ist in erster Linie für die Entwicklung von Alkoholmissbrauch verantwortlich. Es ist der Verlust der schützenden Elemente einer Ehe.» Tatsächlich konnten die Wissenschaftler zeigen, dass eine zweite Ehe das Risiko für Alkoholmissbrauch wieder senkte. Die Hazard Ratio lag dann nur noch bei 0,56 für Männer und 0,61 bei Frauen und damit um mehr als das Zehnfache niedriger als nach der ersten Trennung. (dh)

DOI: 10.1176/appi.ajp.2016.16050589

 

01.02.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Syda Productions