Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Vorhofflimmern: Zu wenig Adhärenz bei Blutverdünnern

 

Mit Vorhofflimmern ist es so eine Sache: Einige Betroffene haben kaum Beschwerden, doch ein deutlich erhöhtes Schlaganfallrisiko. Daher bekommen die Betroffenen Blutverdünner verordnet. Doch ein Jahr nach Therapiestart hat mehr als ein Drittel die Einnahme beendet, so eine aktuelle Studie mit Daten aus den USA. Während in Deutschland meist Phenprocoumon (Marcumar und Generika) verschrieben wird, gilt in den USA Warfarin (Coumadin) als Standard. Beides sind Vitamin-K-Antagonisten mit ähnlichem Nebenwirkungsprofil, die eine selbstständige Überprüfung der Gerinnungsfunktion erforderlich machen, was mit regelmäßigen Blutabnahmen verbunden ist.

 

Besonders häufig setzten die Patienten Warfarin ab, wenn ihr Vorhofflimmern mit einer elektrischen Kardioversion oder einer Radiofrequenz-Ablation behandelt wurde. Mehr als die Hälfte der Patienten (54,1 Prozent) nahm ein Jahr nach dem Eingriff keinen Blutverdünner mehr ein. «Wir wissen aber nicht, ob eine Änderung zu einem normalen Herzrhythmus – ob durch Kardioversion oder Ablation – auch das Schlaganfallrisiko senkt», gibt der Kardiologe Dr. Geoffrey Barnes von der Universität Michigan zu bedenken. Daher sei sich die Fachwelt nicht einig, ob die Patienten weiter Blutverdünner einnehmen sollten oder nicht. Zu dieser Fragestellung seien dringend mehr Studien nötig. Denn Vorhofflimmern ist keine Seltenheit: In Deutschland sind schätzungsweise 1,8 Millionen Menschen betroffen. 15 Prozent aller Schlaganfälle sind laut Kompetenznetz Vorhofflimmern auf die Herz-Rhythmus-Störung zurückzuführen, das sind fast 40.000 Schlaganfälle pro Jahr hierzulande.

 

Aber auch die Zahl der nicht adhärenten Patienten, bei denen kein Eingriff zur Normalisierung des Herzrhythmus erfolgte, sei mit 29,5 Prozent Therapieabbruch nach einem Jahr noch zu hoch, so die Studienautoren. «Wir müssen besser verstehen, warum die Patienten die Einnahme von Warfarin stoppen und welche alternative Medikation die Adhärenz verbessert, um Schlaganfälle zu vermeiden», kommentiert der Kardiologe und Koautor Dr. James Froehlich. Die Ergebnisse der Adhärenz-Studie mit 734 Patienten erschienen jetzt als Research Letter im Fachjournal «JAMA Cardiology». (dh)

 

Doi: 10.1001/jamacardio.2016.5041

 

Mehr zum Thema Herz-Kreislauf

 

05.01.2017 l PZ

Foto: Fotolia/Csák István