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Mittelohrentzündung: Analgetika statt Antibiotika

 

Eine akute Entzündung des Mittelohrs ist im Kindesalter der häufigste Grund für Ohrenschmerzen. Die Erkrankung verläuft in der Regel komplikationslos, geht aber mit heftigen Schmerzen einher. «Starke Schmerzen bedeuten aber nicht große Gefahr», sagte Dr. Hans-Michael Mühlenfeld (Foto), niedergelassener Hausarzt aus Bremen, beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Die Leitlinien empfehlen daher vorrangig Analgetika.

 

Da der Kinder- oder Hausarzt in der Regel nicht differenzieren kann, ob die Entzündung viraler oder bakterieller Genese ist, wird ein symptomorientiertes Vorgehen empfohlen. So bekommt das Kind gegen die Schmerzen Paracetamol oder Ibuprofen. Zudem kann laut Mühlenfeld ein Versuch mit abschwellenden Nasentropfen unternommen werden, wobei hierfür nur eine geringe Evidenz vorliege. Mit der Gabe eines Antibiotikums soll 24 bis 48 Stunden abgewartet werden. In der Praxis geben Ärzte meist den Eltern ein Rezept über ein Antibiotikum als Reserve mit, verbunden mit der Anweisung, es erst einzulösen, wenn das Kind nach 48 Stunden immer noch über Schmerzen klagt, sich erbricht oder hohes Fieber bekommt.

 

Mittel der Wahl ist dann Amoxicillin in einer Dosierung von 50 mg pro kg Körpergewicht über sieben Tage. Als zweite Wahl kommen Cephalosporine der zweiten Generation wie Cefuroxim-Axetil mit täglich 20 bis 30 mg pro kg Körpergewicht für fünf bis zehn Tage infrage. Makrolide wie Erythromycin sollten lediglich bei Vorliegen einer Penicillin-Allergie zum Einsatz kommen. Ein sofortiger Beginn der Antibiose ist laut Leitlinie angezeigt bei Kindern unter zwei Jahren mit beidseitigen Beschwerden oder rezidivierenden Infekten. «Auch bei Kindern mit hohem Fieber und Erbrechen kann eine sofortige Antibiose in Erwägung gezogen werden», ergänzte Mühlenfeld. Husten sei übrigens kein Prädiktor. (kg)

 

19.01.2017 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller