Gallengangsentzündung: Neues Medikament zugelassen |

Für Patienten mit einer primären biliären Cholangitis (PBC) ist ein neues Medikament in Europa zugelassen worden: Obeticholsäure (Ocaliva® von Intercept) soll Patienten helfen, die auf eine Therapie mit Ursodesoxycholsäure (UDCA) nicht genügend ansprechen oder diese sekundäre Gallensäure nicht vertragen. Obeticholsäure ist ein halbsynthetisches Derivat der natürlichen primären Gallensäure Chenodesoxycholsäure (CDCA) und der erste Vertreter einer neuen Wirkklasse, der selektiven Agonisten des Farnesoid-X-Rezeptors (FXR). FXR wird in hohen Konzentrationen in Leber und Darm exprimiert und spielt eine wichtige Rolle in der Regulation der Gallensäure-, Entzündungs-, Fibrose- und Stoffwechselwege. Eine Aktivierung senkt die Konzentration der Gallensäuren in der Leber.
PBC ist eine seltene Autoimmunerkrankung der Leber, daher hat Obeticholsäure Orphan-Drug-Status. Die Erkrankung geht von den intrahepatischen Gallenwegen aus und führt zu einer chronischen Entzündung der Gallengangsgefäße (Cholangitis). Es kommt zu Fibrose bis hin zu einer Leberzirrhose. Der Hersteller untersucht auch die Wirkung von Obeticholsäure bei Patienten mit nicht alkoholbedingter Steatohepatitis (Fettleber), alkoholbedingter Hepatitis und der PBC ähnlichen Erkrankung primär sklerotisierende Cholangitis (PSC), bei der neben der intrahepatischen auch die extrahepatischen Gallengänge betroffen sind.
Die 5- oder 10-Milligramm-Tablette wird einmal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen. Nimmt der Patient zusätzlich Gallensäure bindende Harze ein, muss der Abstand zwischen den Einnahmen mindestens vier bis sechs Stunden betragen. Die Einnahme von Obeticholsäure kann die Leberwerte verändern und zu einer Leberdekompensation führen. Als weitere Nebenwirkung kann unter anderem starker Juckreiz auftreten. (dh)
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20.12.2016 l PZ
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