Hebammenverband kritisiert: Immer mehr Kreißsäle schließen |

Der Deutsche Hebammenverband hat die Bundesregierung aufgefordert, den zunehmenden Schließungen von Kreißsälen entgegenzuwirken. «Gab es 1991 bundesweit noch 1186 Krankenhäuser mit Geburtshilfe, waren es 2014 nur noch 725», erläuterte die Präsidentin des Verbandes Martina Klenk, heute in Berlin. «Jede Frau und Familie muss wohnortnah Hebammenhilfe bekommen können.»
Klenk argumentierte weiter, «die Rahmenbedingungen in den Krankenhäusern müssen sich verbessern.» So sollten auch Geburtshilfestationen mit dem Sicherstellungszuschlag für kleine Kliniken unterstützt werden. Die Bundesregierung will Kliniken im ländlichen Raum dann finanziell unterstützen, wenn sie für die Versorgung der Patienten unverzichtbar sind.
Die Hebammen beraten während ihrer Delegiertentagung noch bis 25. November Themen wie Kreißsaalschließungen und Arbeitbelastung. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Hebammen soll ein berufspolitischer Schwerpunkt im Wahljahr 2017 sein, hieß es. Die Gründe für Kreißsaalschließungen sind unter anderem zu wenige Geburtenzahlen etwa im ländlichen Raum. Das bringt Probleme bei der Finanzierung mit sich, aber auch fehlende Praxis und damit abnehmende Qualität bei der Versorgung Schwangerer. Wenn kleine Kliniken wegen des Kostendrucks die Geburtshilfe aufgäben, würden die werdenden Mütter in die großen Zentren abwandern.
Zum anderen fehlten mittlerweile an vielen Orten Hebammen, so der Verband. Arbeitsbelastung und -verdichtung seien an der Tagesordnung. Immer weniger Hebammen seien bereit, angestellt und Vollzeit an einer Klinik zu arbeiten, erklärte Klenk weiter. Allerdings trifft diese Arbeitsverdichtung auch andere Bereiche im Gesundheitswesen. Für freiberufliche Hebammen sollte nach den Worten Klenks die Haftpflichtproblematik nachhaltig gelöst werden, um wieder mehr Hebammen in der Geburtshilfe zu halten. In den vergangenen Jahren waren die privaten Berufshaftpflichtversicherungen erheblich gestiegen, sodass befürchtet wurde, die Zahl freiberuflicher Geburtshelferinnen könnte stark sinken. Hebammenverbände und der GKV-Spitzenverband stritten lange über einen finanziellen Ausgleich für die Geburtshelferinnen.
Im vergangenen Jahr hatte eine Schiedsstelle dann einen Ausgleich festgesetzt, der seit 1. Januar greift. Der GKV-Spitzenverband erklärte: «Die Krankenkassen haben ihre Hausaufgaben gemacht. Von der Finanzierung der Berufshaftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen bis hin zu der Unterbringung auf dem Festland von werdenden Eltern, die auf den Nordseeinseln keine Geburtsstationen finden, reichen die Maßnahmen.» Im Übrigen könne die Schließung einer nur gelegentlich genutzten Geburtshilfestation durchaus ein Schritt hin zu einer besseren Versorgungsqualität sein und damit trotz der damit verbundenen Unannehmlichkeiten gut für die werdenden Eltern und das ungeborene Kind sein, erklärte Sprecher Florian Lanz.
Die Grünen-Gesundheitspolitiker Elisabeth Scharfenberg und Harald Terpe erklärten: «Es ist erfreulich, dass die Zahl der Geburten steigt. Für mehr Geburten brauchen wir auch mehr gut ausgebildete Hebammen. Doch die Entwicklung läuft in eine andere Richtung. Das muss sich dringend ändern.»
23.11.2016 l dpa
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