Deutsche möchten Rezepte ohne Praxisbesuch |

Die Mehrheit der Deutschen würde Rezepte gerne auch ohne vorherigen Arztbesuch erhalten können. Das ist das Ergebnis einer Bevölkerungsumfrage der Bertelsmann-Stiftung. Rund 1000 Personen wurden dafür befragt. 54 Prozent von ihnen gaben an, sie würden bestimmte Verschreibungen gerne auch nach bloßem Telefon- oder Internetkontakt von ihrem Arzt bekommen. Vor allem junge Umfrageteilnehmer haben diesen Wunsch: Bei den 14- bis 29-Jährigen machten ganze 72 Prozent diese Aussage.
Allerdings stimmten die Umfrageteilnehmer der Aussage nicht für jedes Medikament zu. Bei einem Folgerezept für Kontrazeptiva können sich 53 Prozent der Befragten vorstellen, den Arzt vorher nur über Telefon oder Internet zu kontaktieren. Bei einem Folgerezept für Blutdrucksenker stimmten noch 50 Prozent der Aussage zu. Cortison-haltige Salben wollen nur 42 Prozent ohne vorherigen Arztbesuch abgegeben wissen und Antibiotika gegen Bronchitis nur noch 30 Prozent. 17 Prozent der Befragten gaben an, keines dieser Medikamente solle abgegeben werden, ohne dass vorher eine Arztpraxis besucht wurde.
Fernverschreibungen wird es hierzulande jedoch weiter nur in Ausnahmefällen geben. Erst in der vergangenen Woche hatte der Bundestag mit der AMG-Novelle klargestellt, dass Rezepte nicht abgegeben werden dürfen, wenn zuvor kein direkter Arztkontakt stattgefunden hat. Lediglich Folgerezepte dürfen in seltenen, begründeten Einzelfällen abgegeben werden, ohne dass der Patient die Arztpraxis gesehen hat. Mit der Neuregelung im Vierten Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften hatte der Bundestag unter anderem der britischen Online-Ärzteplattform DrEd einen Riegel vorschieben wollen. Hier konnten deutsche Patienten bis vor kurzem Rezepte britischer Ärzte nach einer Internetberatung erhalten.
Laut Bertelsmann Stiftung ist die Neuregelung nicht im Sinne der Bevölkerung. «Eine Mehrheit der Bürger möchte die Möglichkeit, ein Medikament verordnet zu bekommen, ohne in die Praxis zu müssen», erklärte die Stiftung. Ein pauschales Verbot von Fernverschreibungen stehe diesem Wunsch entgegen. (ap)
15.11.2016 l PZ
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