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Jemen: Kriegsfolge Cholera

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Im Jemen ist infolge des bewaffneten Konflikts die Cholera ausgebrochen. Bis zum 23. Oktober wurden 644 vermutete und 31 laborbestätigte Fälle gemeldet, drei Menschen sind gestorben. Betroffen sind die Gouvernements Taizz, Al-Hudaida, Aden, Al Baida, Lahj und Sanaa. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) informiert, ereigneten sich zwei der Todesfälle in Sanaa und einer in Aden.

 

Ohne sofortige ausländische Hilfe wird sich die Infektionskrankheit in dem Land rasch ausbreiten, warnt die WHO. Mehr als 7,6 Millionen Menschen leben in den betroffenen Regionen, davon drei Millionen unter hygienisch besonders schwierigen Bedingungen in Flüchtlingscamps. Diese Menschen, die aufgrund des Bürgerkriegs im eigenen Land auf der Flucht sind, seien bereits durch Mangelernährung und fehlender Gesundheitsversorgung geschwächt. Die WHO schätzt, dass ohne Gegenmaßnahmen bis zu 76.000 Menschen in 15 Gouvernements an Cholera erkranken werden, davon 15.200 schwer. Um das zu verhindern, würden 22,35 Millionen US-Dollar (20,46 Millionen Euro) an internationaler Hilfe benötigt, davon 16,6 Millionen US-Dollar (15,2 Millionen Euro) sofort.

 

Im Jemen sind zwei Drittel der Bevölkerung nicht ausreichend mit sauberem Trinkwasser versorgt. Der Zugang zu sanitären Einrichtungen ist vor allem in Städten begrenzt, was der Verbreitung von infektiösen Durchfallerkrankungen wie der Cholera Vorschub leistet. Zudem funktionieren laut WHO-Angaben aufgrund von Personalmangel und Arzneimittelknappheit nur noch 45 Prozent der Gesundheitseinrichtungen. Um die Ausbreitung der Cholera zu verhindern, will die WHO unter anderem das Überwachungssystem stärken, den Zugang zu Gesundheitseinrichtungen verbessern und nicht zuletzt die gefährdete Bevölkerung über die Erkrankung aufklären. (am)

 

26.10.2016 l PZ

Foto: Fotolia/harvepino