Pharmazeutische Zeitung online

Sprachstörungen: Ursache immer klären!

Sprachstörungen, auch Aphasien genannt, sind immer eine rote Flagge, die Ursache dafür muss geklärt werden. Das machte der Notfallmediziner Dr. Christian Roth vom Klinikum Kassel auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Mannheim deutlich. «Alle Ursachen, außer der Migräneaura, sind gefährlich.» Die naheliegendste Ursache ist, vor allem wenn kardiovaskuläre Risiken bestehen, ein Schlaganfall. Wenn Fieber als weiteres Symptom hinzukommt, müsse auch an eine Herpes-Enzephalitis gedacht werden. Bei zusätzlichen Kopfschmerzen könnte es sich um eine Sinusvenenthrombose handeln, also eine Thrombose in den venösen Gefäßen der harten Hirnhaut. Zudem können Sprachstörungen auch auf Traumata oder Raumforderungen wie etwa Tumorerkrankungen zurückgehen.

 

Sprachstörungen entstehen, wenn die Sprachzentren im Gehirn geschädigt sind. Dann ist die Fähigkeit, Worte zu erkennen und korrekt wiederzugeben, gestört. Je nachdem, welches Areal betroffen ist, können sich die Sprachstörungen in verschiedenen Formen äußern, zum Beispiel als Wortverwechslungsstörung oder Agrammatismus. Eine häufige Form ist die Wernickeform, bei der Betroffene flüssig reden, verschaltete Sätze mit Satzmelodie bilden, aber Worte und Laute verwechseln, sodass das Gesagte keinen Sinn ergibt.

 

Von den Sprachstörungen sind sogenannte Sprechstörungen (Dysarthrien) abzugrenzen, berichtete Roth. Bei diesen bleibt das Sprachverständnis erhalten, aber die Sprachmotorik ist gestört. «Die Muskeln kriegen das einfach nicht mehr hin.» Betroffene haben eine verwaschene, nuschelnde, schlecht zu verstehende Sprache, etwa wie Betrunkene. Der Inhalt des Gesagten ist aber korrekt. Diese Sprechstörungen können auf Schäden des Gehirns oder der Gesichtsnerven beruhen. Häufig sei die Ursache aber sekundär, also nicht neurologisch. Hierzu zählen laut Roth Exsikkose, Intoxikationen, Schock, schwere Allgemeinerkrankungen und Sepsis.

 

Um Sprachstörungen von Sprechstörungen und Verwirrtheit des Patienten abgrenzen zu können, helfe ein Kurztest weiter, der verschiedene Aspekte berücksichtigt: die Spontansprache, die Fähigkeit, Sätze nachzusprechen, Dinge zu benennen und die Schriftsprache. Letztere könnte man testen, indem man den Patienten auffordert, beispielsweise das Namensschild vorzulesen. Zudem sollte noch das Sprachverständnis geprüft werden, indem man den Patienten zu einer Handlung auffordert, wie etwa rechten Zeigefinger auf die Nasenspitze legen. Wird diese korrekt ausgeführt, ist das Sprachverständnis noch vorhanden. (ch)

 

23.09.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Alexandr Mitiuc