Opioide: Obstipation im Fokus |

«Opioide sind die potentesten Analgetika, die wir kennen», sagte der Präsident der Deutschen Schmerzliga, Privatdozent Dr. Michael Überall (Foto), auf dem Fortbildungskongress in Meran. Fast jeder Schmerz ließe sich kurzfristig mithilfe dieser Wirkstoffe beheben. «Das Problem ist also nicht die Schmerzkontrolle, sondern die Frage, welchen Preis der Patient bereit ist, dafür zu zahlen.» Denn die dauerhafte Anwendung von Opioiden bei chronischen Schmerzen ist mit ausgeprägten Nebenwirkungen wie Sedierung und Obstipation behaftet.
Insbesondere die Obstipation mache vielen Behandelten zu schaffen. «Meist treten gleichzeitig auch andere Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, gastroösophagealer Reflux, Bauchschmerzen, Malabsorption und Appetitlosigkeit auf», so Überall. Dieser Symptomkomplex beeinträchtige viele Patienten deutlich in ihrer Lebensqualität. Für die Wirksamkeit von Laxanzien bei Opioid-induzierter Obstipation gebe es bis heute keine Evidenz. «Weder Macrogole, noch Lactulose, Natriumpicosulfat oder andere gängige Abführmittel können dagegen etwas ausrichten. Opioide legen sämtliche Darmreflexe, Motilitäts- und Sekretionsprozesse lahm – das ist nicht so einfach zu beheben.» Lediglich die peripheren Rezeptorantagonisten wie Naloxegol schwächen laut Überall die unerwünschten Effekte der Opioide ab. Das helfe zwar gegen die Verstopfung, sei aber nicht ganz unproblematisch: «Wir beginnen gerade zu verstehen, dass Opioide auch erwünschte periphere Wirkungen haben. Daher besteht die Gefahr, dass durch die Gabe von Naloxegol der Therapieerfolg abnimmt.» (cm)
25.05.2016 l PZ
Foto: PZ/Alois Müller