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Neuropathischer Schmerz: Eine Herausforderung

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Nervenläsionen, diabetische Neuropathie oder Trigeminusneuralgie: Die Behandlung von Patienten mit neuropathischen Schmerzen stellt Mediziner vor eine Herausforderung. Schon bei der Diagnostik sollte der Arzt ganz genau hinschauen. «Wenn ein Patient mit Schmerzen zu uns kommt, müssen wir zunächst abklären, ob der Schmerz wirklich neuropathischer Natur ist», sagte Professor Dr. Claudia Sommer (Foto), Neurologin an der Universitätsklinik Würzburg, beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran. Viele Symptome seien zwar charakteristisch, aber nicht spezifisch für neuropathische Schmerzen – etwa Taubheitsgefühl, Kribbeln, Brennen oder Berührungsschmerz. Somatische, motorische und andere Ausfallerscheinungen sind dagegen laut Sommer deutliche Hinweise auf eine neurologische Ursache der Beschwerden.

 

Antidepressiva hätten sich in der Therapie bewährt, insbesondere das Trizyklikum Amitriptylin. «Trizyklika verstärken die körpereigene Schmerzhemmung», erklärte Sommer. Von drei bis sechs Behandelten sei zwar nur bei einem ein Vorteil gegenüber Placebo zu erwarten, dieser Wert sei jedoch «sehr gut in der Schmerztherapie». Therapielimitierend seien meist Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Obstipation, Hypertonie und Gewichtszunahme. Vereinzelt käme es auch zu Arrhythmien, Delir oder zu einer Symptomverstärkung beim Stiff-Person-Syndrom, einer seltenen Autoimmunerkrankung, die mit Muskelsteifheit und schmerzhaften Krämpfen einhergeht.

 

Bei diabetischer Neuropathie kommt der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin zum Einsatz, der jedoch einen entscheidenden Nachteil hat: Etwa 20 Prozent der Behandelten klagen zu Therapiebeginn über starke Übelkeit. «Dabei handelt es sich jedoch um einen kurzfristigen Effekt, dem man vorbeugen kann, indem man für die ersten zwei Behandlungswochen zusätzlich ein Antiemetikum verordnet», so Sommer.

 

Die Antiepileptika Gabapentin und Pregabalin sind laut Sommer relativ gut verträgliche Arzneimittel, die bei den meisten Arten von neuropathischem Schmerz eine Therapieoption darstellen. Zwar sei die Studienlage nicht einheitlich, im Mittel hätten sie sich jedoch als wirksam erwiesen. Nur bei HIV-bedingten Neuropathien hätten sie – wie die meisten Standardmedikamente – schlecht abgeschnitten.

 

Bei Trigeminusneuralgie sind die Natriumkanal-Modulatoren Carbamazepin, Oxcarbamazepin und Lamotrigin Mittel der ersten Wahl. «Wenn diese Arzneistoffe nicht helfen, empfehle ich eine Operation. Alle anderen Medikamente sind in der Regel nicht wirksam», fasste Sommer zusammen. Häufig drücke ein Blutgefäß auf den Nerv und verursache so den Schmerz. «Das kann man chirurgisch beheben.» (cm)

 

25.05.2016 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller