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ASS bei Kindern: Das muss kein Fehler sein

 

Viele wissen, dass der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) wegen der Gefahr des Reye-Syndroms bei Kindern nicht eingesetzt werden sollte. Allerdings gibt es Ausnahmen von der Regel. Darauf machte Professor Dr. Stephanie Läer (Foto) von der Universität Düsseldorf beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran aufmerksam.

 

«Bei der Therapie des Kawasaki-Syndroms wird ASS bei jungen Patienten obligat eingesetzt», informierte die Apothekerin und Ärztin. Dabei handelt es sich um eine akute, fieberhafte, systemische Erkrankung, bei der es zur Gefäßentzündung der kleinen und mittleren Arterien kommt. Symptome sind hohes Fieber, Lacklippen, Himbeerzunge und Konjunktivitis. Eine vermeintliche Fehlverordnung von Ärzten kann sich somit laut der Referentin als gewollt und richtig erweisen.

 

Läer ermunterte die Apotheker dennoch dazu, immer pharmazeutische Bedenken anzumerken, wenn sie einen Off-Label-Use, zum Beispiel aufgrund des Alters des Kindes, auf dem Rezept erkennen. In diesem Fall solle das pharmazeutische Personal Rücksprache mit dem Arzt halten und sich die Richtigkeit der Verordnung bestätigen lassen. Ein Beispiel: Paracetamol ist für Säuglinge ab einem Körpergewicht von 3 kg zugelassen. Das heißt, das zu behandelnde Kind muss nicht nur ausreichend schwer sein, sondern mindestens auch 28 Tage alt. Der Einsatz bei einem Neugeborenen mit einem Körpergewicht von 3 kg entspricht dagegen nicht der Zulassung. (ss)

 

27.05.2016 l PZ

Foto: PZ/Alois Müller