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Tabletteneinnahme: Essen und Trinken beachten

 

Feste Arzneiformen korrekt zu schlucken, ist keineswegs trivial. Oft hapert es schon am Trinken bei der Einnahme. Apotheker sollten hier klare Hinweise geben, sagte Professor Dr. Werner Weitschies, Universität Greifswald, beim Pharmazeutischen Kongress anlässlich des Sächsischen Apothekertags in Annaberg. «Viel trinken ist wichtig, damit Arzneimittel nicht im Hals stecken bleiben.» Dies merke man in der Regel gar nicht. Mit Nachtrinken könne man eine im Ösophagus haftende Arzneiform nicht mehr herunterspülen. Im Liegen lassen sich orale Arzneiformen gar nicht korrekt schlucken.

 

Regel zur Einnahme von Tabletten und Co: mit aufrechtem Oberkörper und viel Leitungswasser (mehr als 100 ml) schlucken. Bei Nüchterneinnahme mindestens 200 ml Wasser trinken. Muss der Patient mehrere Arzneimittel nüchtern nehmen, dann bei jedem einzelnen mindestens 100 ml trinken.

 

Schmelztabletten sind laut Weitschies berechtigt bei Schluckbeschwerden, ersparen aber nicht das Trinken. Solche orodispersiblen Arzneiformen zerfallen in der Mundhöhle rasch, werden hier aber meist nicht resorbiert. Ausnahmen sind zum Beispiel Midazolam buccal, Fentanyl und Buprenorphin sublingual. Wichtig: Orodispersible Arzneiformen darf man nicht aus dem Blister herausdrücken, da sie dabei zerbröseln. Richtig ist, die dünnen Folien zu greifen und auseinanderzuziehen. Dann die Tablette sofort in den Mund legen.

 

Auch die Nahrung kann die Arzneistoffresorption beeinflussen. Steigt die Bioverfügbarkeit durch Nahrung, spricht man von einem «positiven Food-Effekt». Als Beispiele nannte der Technologe Itraconazol, Prednisolon, Tretinoin, Metronidazol, Aciclovir und Saquinavir. Beispiele für «negative» Food-Effekte sind Bisphosphonate (keine Bioverfügbarkeit bei Einnahme mit Nahrung!), L-Thyroxin, Indinavir und Omeprazol. Wie bedeutend der Food-Effekt sein kann, zeigt das Beispiel Vemurafenib. Dessen Resorption steigt durch Einnahme mit einer Mahlzeit im Mittel um den Faktor 3,7. «Vier Tabletten mit Mahlzeit eingenommen entsprechen 15 Tabletten nüchtern.»

 

Viele orale Onkologika wie Erlotinib, Lapatinib, Nilotinib oder Abirateron hätten teils erhebliche positive Food-Effekte, sagte Weitschies. Der Patient muss sich daher exakt an die Einnahmevorschriften halten, um keine Überdosierung zu erleiden. Problematisch kann dies bei vorbefüllten Tablettenschiebern sein: Diese geben nur die Tageszeit vor. (bmg)

 

18.04.2016 l PZ

Foto: Fotolia/Robert Kneschke