Risiko falsche Scham: Hämorrhoiden früh diagnostizieren |

Obwohl fast drei Viertel aller Erwachsenen in Deutschland im Lauf ihres Lebens an Hämorrhoidalbeschwerden leiden, geht nur ein Bruchteil der Betroffenen damit zum Arzt. Häufig aus Scham versuche die Mehrheit der Patienten, etwa 70 Prozent, ihre Beschwerden durch Hausmittel und Salben eigenständig zu beheben, teilte die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten heute mit. Sie warnte gleichzeitig davor, Untersuchungen zu verzögern, denn erst dann müssten die geschädigten Blutgefäße am After oft operiert werden. Dass nur 4 Prozent der Betroffenen bei typischen Symptomen wie Juckreiz, Brennen und Schmerzen im Analbereich einen Haus- oder Facharzt aufsuchten, sei besorgniserregend.
In mehr als 95 Prozent der Fälle könnten konservative Behandlungsmöglichkeiten wie stuhlregulierende Medikamente, ausreichend Bewegung und ballaststoffreiche Kost helfen – sofern die Patienten bereits bei ersten Beschwerden den Arzt aufsuchen. Erst beim dritten oder vierten Schweregrad müsse häufig operativ eingegriffen werden. «Von den rund 50.000 jährlichen Hämorrhoiden-Operationen in Deutschland ließe sich sicherlich ein Großteil verhindern, wenn Patienten frühzeitiger zum Arzt gingen», sagte Peter N. Meier, Chefarzt der Klinik für Gastroenenterologie, Diakovere Henriettenstift gGmbH, in Hannover.
Hämorrhoidalleiden kommen in Industrieländern häufig vor und nehmen zahlenmäßig noch zu. Experten vermuten genetische Faktoren, aber auch ungünstige Ernährung, zu wenig Bewegung und Übergewicht als Ursachen für die Erkrankung. «Ernährt man sich zu einseitig und ballaststoffarm, führt dies häufig zu Verstopfung. Beim Toilettengang erhöht sich dadurch der Druck auf die Hämorrhoiden, also jene Gefäße, die ringförmig in der Enddarmschleimhaut oberhalb des Schließmuskels verlaufen», erklärte Gastroenterologe Meier. Bei einem Blutrückstau wölbten sich dann die Gefäße mit der Schleimhaut nach außen und verursachten die typischen Beschwerden.
Allerdings sei nicht jeder Juckreiz am After auf Hämorrhoiden zurückzuführen. Ekzeme, Pilze, Würmer sowie Infektionen mit Herpes oder Humanen Papillomaviren (HPV) könnten ähnliche Symptome hervorrufen. Hier seien eine professionelle Differenzialdiagnose und gegebenenfalls labordiagnostische Maßnahmen notwendig. (cd)
27.04.2016 l PZ
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