Pädiatrie: Kopfschmerzen umfassend behandeln |

Kopfschmerzen sind bei Kindern und Jugendlichen keine Seltenheit. Basis jeglicher Therapie sei ein Kopfschmerz-Tagebuch, sagte Dr. Raymund Pothmann, Hamburg, bei einem von Reckitt Benckiser unterstützten Symposium der Initiative Schmerzlos in Tutzing. Das Ausfüllen des Tagebuchs könne bereits einen therapeutischen Effekt haben. «Aber nicht bei täglichen Kopfschmerzen», sagte der Neuropädiater; das regelmäßige Eintragen könnte dann sogar die Chronifizierung fördern. Außerdem seien Aufklärung und Beratung zum Lebensstil besonders wichtig. Beispielsweise sollten zu lange Esspausen, Rauchen, alkoholische Getränke und Bewegungsmangel vermieden oder ausgeglichen werden.
Leiden Kinder und Jugendliche an Migräne, sei eine effektive Akuttherapie nötig. Gemäß den Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft und der Gesellschaft für Neuropädiatrie (Stand 2008) werden Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt. Bei schweren Anfällen und Therapieversagen könne man auf Sumatriptan nasal oder andere Triptane wechseln, sagte Pothmann.
Bei vier und mehr unbehandelbaren Attacken pro Monat, einem Migränestatus sowie ausgeprägter Migräne sei eine Intervalltherapie über drei bis sechs Monate indiziert. Initial reiche bei den meisten Jugendlichen Magnesium in einer Dosis bis zu 10 mg/kg Körpergewicht. Ferner nannte der Arzt Betablocker wie Propranolol oder Metoprolol sowie Flunarizin. Mittel zweiter Wahl seien Topiramat, Pestwurzextrakt, ASS und Amitriptylin.
Vor allem bei chronischen Kopfschmerzen seien nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Verhaltenstherapie, Entspannungsverfahren oder Biofeedback-Verfahren unverzichtbar, damit der junge Patient lernt, die Schmerzen eigenverantwortlich besser zu bewältigen. «Wir wollen vom Problem-Talking hinlenken zur Stärkung der Ressourcen», sagte Pothmann. (bmg)
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25.04.2016 l PZ
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