Evidenzbasierte Selbstmedikation: Apotheker als Lotse |

Im Bereich der OTC-Arzneimittel bestehen für Apotheker viele Herausforderungen, aber auch Chancen. Das machte Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Foto) von der Universität Frankfurt am Main beim OTC-Gipfel des Apothekerverbandes Nordrhein in Düsseldorf deutlich. Anhand verschiedener Beispiele ging der Hochschulprofessor auf Herausforderungen, Erwartungen und Chancen der evidenzbasierten Selbstmedikation ein. Er betonte, dass Apotheker unter anderem bei der Behandlung von Migränekopfschmerzen eine große Verantwortung tragen. Es sei durch viele Untersuchungen bestätigt, dass viele Betroffene nicht zum Arzt gehen mit ihren Beschwerden und sich stattdessen direkt in der Apotheke beraten lassen. «Eine Herausforderung für das pharmazeutische Personal ist es dabei, Migränekopfschmerz von anderen Kopfschmerzarten abzugrenzen», so Schubert-Zsilavecz. In der Beratung könnten die Apotheker auf die Empfehlungen mit geprüfter Evidenz von Fachgesellschaften zurückgreifen. Der Referent stellte klar, dass Apotheker die Chance haben, sich mit einer evidenzbasierten Selbstmedikation im höchsten Maße zu profilieren. Wichtig sei es in diesem Zusammenhang auch, eine Therapiebegrenzung vorzunehmen. So sollten Migränepatienten nicht öfter als zehnmal pro Monat oder nicht länger als an drei Tagen hintereinander Medikamente zur Behandlung einnehmen.
Als zweites Beispiel für eine evidenzbasierte Selbstmedikation nannte Schubert-Zsilavecz Protonenpumpenhemmer. Diese hätten unterschiedliche Zulassungsgebiete. In der Selbstmedikation dürften sie aber nur bei Sodbrennen beziehungsweise saurem Aufstoßen zum Einsatz kommen. «Aufgabe der Apotheker ist es, sicherzustellen, dass die Magensäureblocker in der Selbstmedikation indikationsgemäß eingesetzt werden», betonte er. Auch ein Hinweis auf die zeitliche Begrenzung der Einnahme sei unverzichtbar. Schubert-Zsilavecz erinnerte daran, dass bei Langzeitanwendung das Risiko von Frakturen und einer Hypomagnesiämie erhöht ist.
Bei der Beratung zu Phytopharmaka gilt es laut dem Hochschulprofessor, die Spreu vom Weizen zu trennen. «Verschaffen Sie sich einen Überblick, ordnen Sie die Evidenz und machen Sie danach entsprechende Empfehlungen», riet Schubert-Zsilavecz. Beispielsweise bei Johanniskraut-Präparaten gebe es sehr viele unterschiedliche Produkte. Bei einigen von ihnen bestehe keine Evidenz für die Wirksamkeit. Der Apotheker sei damit ein wichtiger Lotse für den Patienten im Präparate-Dschungel. (ss)
23.10.2015 l PZ
Foto: Apothekerverband Nordrhein/Müller