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Migräne: Wetter-Einfluss in der Diskussion

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Ob und wie sich das Wetter auf das Auftreten von Migräneattacken auswirkt, wird ein zentrales Thema beim Symposium der Migräne-Liga am 17. September in Potsdam sein. Kurz nach dem Europäischen Kopfschmerz- und Migränetag am 12. September befasst sich das Gremium mit dem Einfluss des Wetters auf den pulsierenden Kopfschmerz. «Wissenschaftlich erwiesen ist es nicht. Aber wenn Sie mit Patienten reden, wird jeder sagen, wenn das Wetter wechselt: In meinem Kopf braut sich etwas zusammen», sagt Lucia Gnant, Vorsitzende der Migräne-Liga.

 

Wissenschaftler der Hochschule Hof untersuchen mit der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein im Taunus und der Universität Rostock seit 2011 anhand von Online-Patientenmeldungen Faktoren, die Migräne auslösen können. Es geht bei dem Migräne-Radar auch darum, ob ein Zusammenhang zwischen Migräne und Wetterwechseln nachweisbar ist. «Wir haben aus der ersten Projektphase Hinweise», sagt Projektleiter Jörg Scheidt. Der Abgleich von 20.000 Kopfschmerzattacken ergab: «Wenn sich die Temperatur um fünf Grad ändert, haben wir 20 Prozent mehr Anfälle.» Die Ergebnisse seien jedoch noch unsicher und statistisch nicht sehr signifikant. In einer neuen Projektphase sollen deshalb die Daten anonymisiert Betroffenen zugeordnet werden. Die Forscher vermuten, dass nur bestimmte Patienten auf das Wetter reagieren. Ob die Patienten in dem vergangenen heißen Sommer besonders litten, ist bisher nicht ausgewertet.

 

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen überhaupt. Oft unterschätzt und als einfaches Kopfweh abgetan, zählt sie zu den schlimmsten Schmerzzuständen. Die Weltgesund­heits­organ­isation (WHO) listet sie unter den 20 Leiden auf, die das Leben am stärksten einschränken. Die Prävalenz der Migräne liegt zwischen 10 und 15 Prozent. Vor der Pubertät beträgt die Häufigkeit 4 bis 5 Prozent, wobei Jungen und Mädchen gleich häufig betroffen sind. Die höchste Inzidenz der Migräneattacken besteht zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr, wobei in dieser Lebensphase Frauen dreimal häufiger betroffen sind als Männer.

 

Bei der Migräne kommt es attackenweise zu heftigen, häufig einseitigen, pulsierend-pochenden Kopfschmerzen, die bei körperlicher Betätigung an Intensität zunehmen. Bei einem Drittel der Patienten bestehen holokranielle (den ganzen Kopf betreffende) Kopfschmerzen. Die Attacken sind begleitet von Appetitlosigkeit (fast immer), Übelkeit (80 Prozent), Erbrechen (40 bis 50 Prozent), Lichtscheu (60 Prozent), Lärmempfindlichkeit (50 Prozent) und Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen (10 Prozent). Einseitige Kopfschmerzen können innerhalb einer Attacke oder von Attacke zu Attacke die Seite wechseln. Die Intensität der Schmerzen kann stark variieren. Die Attackendauer beträgt nach der Definition der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft zwischen vier und 72 Stunden. (com)

 

11.09.2015 l PZ
Foto: Fotolia/Dirima