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Grippe-Impfung von Flüchtlingen nicht unproblematisch

 

Impfexperten haben angesichts des anhaltenden Flüchtlingsandrangs vor Versorgungsproblemen bei Grippe-Impfstoffen gewarnt. «Die Verfügbarkeit ist die größte Herausforderung», sagte Michael Pfleiderer, Fachgebietsleiter am für die Impfstoffzulassung zuständigen Paul-Ehrlich-Institut, heute auf einem Kongress der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten in Erfurt. Bislang werde zudem noch an Impfempfehlungen gearbeitet, die auf die aktuelle Flüchtlingssituation zugeschnitten seien, sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Jan Leidel.

 

Wegen des Zusammenlebens vieler Menschen auf engstem Raum in den Flüchtlingsunterkünften halte er die Impfung von Flüchtlingen für sinnvoll, sagte Kongressleiter Peter Wutzler. Allerdings gelte das Prinzip der Freiwilligkeit bei Impfungen auch für Flüchtlinge. «Wir können da nicht einfach Pflichtimpfungen anordnen.»

 

Zudem sei ungewiss, ob die auf in Deutschland zirkulierenden Grippeviren abgestimmten Impfstoffe Flüchtlingen überhaupt einen ausreichenden Schutz böten. In deren Herkunftsländern seien meist andere Virustypen verbreitet. Bereits in der vergangenen Saison hatte der eingesetzte Impfstoff nicht optimal geschützt, weil sich der damals in Deutschland zirkulierende Virusstamm H3N2 noch nach Beginn der Impfstoff-Produktion genetisch verändert hatte.

 

Für die diesjährige Grippeschutzimpfung hat das Paul-Ehrlich-Institut 17 Millionen Impfdosen freigegeben. Empfohlen wird die Impfung vor allem Risikogruppen wie Menschen ab 60 Jahre, chronisch Erkrankten nicht nur mit Atemwegsleiden, Pflegeheimbewohnern, Schwangeren und medizinischem Personal. Einige Fachleute plädieren auch für die Schutzimpfung bei Kleinkindern und wollen das in Erfurt ausführlich diskutieren. Der optimale Zeitpunkt ist Oktober bis November. Jährlich sterben in Deutschland Tausende Menschen an der Virusgrippe.

 

Labordiagnostisch bestätigt wird jedoch nur ein Bruchteil der Erkrankungs- und Todesfälle, weil Ärzte häufig auf einen Virusnachweis durch Labordiagnostik verzichten. In der Grippesaison 2014/2015 gab es rund 70.000 laborbestätigte Fälle von Influenza und

227 laborbestätigte Todesfälle.

 

Die Zahl der Grippetoten schwankt stark von Jahr zu Jahr. So starben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) in der Saison 2012/2013 etwa 21.000 bis 29.000 Menschen an Grippe. Ein Jahr zuvor waren es 2500 bis 7400.

 

17.09.2015 l dpa

Foto: Fotolia/Tobilander