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Chirurgen wollen Standards bei Intim-OP

 

Operationen im Intimbereich liegen im Trend, vor allem Korrek­turen der Schamlippen bei Frauen. Weil es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) aber noch immer an ein­heit­li­chen Standards für Operationen mangelt, wollen Experten nun eine Leitlinie zur Intimchirurgie der Frau erarbeiten, in der die gängigen Verfahren bewertet werden. Operationen der Scham­lip­pen seien längst kein Randthema mehr, sondern mit etwa 5400 Operationen im Jahr in der Mitte der Gesellschaft angekommen, hieß es bereits 2013 in einem Bericht der DGPRÄC. Die Zahl bezieht sich auf eine Umfrage unter rund 900 Fachärzten.

 

«Wer intimchirurgische Eingriffe aus rein ästhetischen Gründen vornehmen möchte, sollte das Risiko nicht unterschätzen», warnt DGPRÄC-Präsidentin Professor Jutta Liebau. Schätzungen zufolge sind bei etwa 10 Prozent der Frauen die inneren Schamlippen so groß, dass sie die äußeren überragen. Das wird durch Intimrasur immer häufiger sichtbar und stört manche Frauen nicht nur optisch. Es kann auch medizinisch zum Problem werden. «Beim Sport, etwa beim Reiten oder Fahrradfahren, scheuern die Schamlippen. Es kann zu Schwellungen, minimalen Blutungen und auch zu Entzündungen kommen», sagt der Leipziger Frauenarzt Marwan Nuwayhid, Gründer der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland. «Es geht nicht darum, eine Designer-Vagina zu schaffen, sondern den betroffenen Frauen zu helfen. Die leiden richtig darunter», so der Arzt.

 

Laut DGPRÄC sind wissenschaftliche Kenntnisse bei Schamlippenkorrekturen dürftig und Anbieter eher auf ihre persönliche Erfahrung angewiesen. Der Düsseldorfer Arzt Stephan Günther etwa wendet die sogenannte 3D Reduction Labiaplasty an. Diese Technik, eine Art Bau­kasten­system, entwickle sich langsam zum Standard, sagt Günther, Gründer der Deutschen Gesellschaft für Intimchirurgie und Genitalästhetik. Die Technik erlaube gleichzeitig auch eine Korrektur des Klitorishäutchens und Verlagerung der Klitorisspitze. «Man kann zwar alle drei Dimensionen mit einer Operation korrigieren, muss es aber nicht», betont der Arzt. «Lange war die Keilschnitttechnik üblich, bei der die Schamlippen mit einem keilförmigen Ausschnitt verkleinert wurden», berichtet der Arzt. Doch wenn sie nicht richtig zusammen­wachsen, bleibe ein hässliches Loch, das nur schwer zu korrigieren sei. Immer wieder habe er Patientinnen, bei denen Ärzten «Murks gebaut» hätten und die nun eine weitere Operation bräuchten.

 

Mit der geplanten Leitlinie sollen Ärzte und Patientinnen eine neutrale Hilfestellung bei der Entscheidungs­findung bekommen. Wann die Leitlinie erscheinen werde, sei noch offen, sagte ein Sprecher der DGPRÄC. Offiziell angekündigt ist die Fertig­stellung zum 31. Dezember 2015. (com)

 

18.08.2015 l PZ/dpa

Foto: Fotolia/Sentello