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Sport: Zu viel trinken schadet

 

Wer beim Sport zu viel trinkt, läuft Gefahr, eine unter Umständen lebensbedrohliche Hyponatriämie zu entwickeln. Zu dieser Erkenntnis kam ein internationales Expertenteam, das kürzlich zum Thema belastungsbedingte Hyponatriämie (Exercise-Associated Hyponatremia, EAH) in Kalifornien tagte. Ein dabei entwickeltes Konsensuspapier wurde in der aktuellen Ausgabe des «Clinical Journal of Sport Medicine» veröffentlicht.

 

Durch die Aufnahme zu großer Flüssigkeitsmengen entsteht im Körper eine sogenannte Verdünnungs-Hyponatriämie. Dabei liegt die Natriummenge im Organismus zwar im normalen Bereich, die Konzentration im Extrazellulärraum ist jedoch zu gering. Diese liegt unter physiologischen Bedingungen bei etwa 135 bis 145 mmol/l, klinisch relevant sind Konzentrationen unter 130 mmol/l. Darauf bezogen ist es übrigens völlig egal, ob der Athlet Wasser oder etwa spezielle Sportlergetränke zu sich nimmt - der Natriumgehalt ist stets hypoton. Die Angabe «isoton» verweist auf einen erhöhten Glukose-Gehalt.

 

Sportler sollten darauf achten, nicht mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen, als sie über Schweiß und Urin verlieren. Konkrete Angaben zur maximalen Trinkmenge machen die Experten nicht. Wer sich selbst kontrollieren möchte, kann sich vor und nach dem Sport wiegen. Nach mehreren Stunden körperlicher Betätigung, wie beispielsweise nach einem Marathonlauf oder einem Fahrradrennen, sollte der Athlet nicht schwerer sein als vorher. Andernfalls kann dies ein Hinweis auf eine übermäßige Flüssigkeitsaufnahme sein. Ein geringer Gewichtsverlust sei dagegen völlig tolerabel und habe oft gar nichts mit dem Flüssigkeitshaushalt zu tun.

 

Die Forscher verweisen darauf, dass Sportler in der Vergangenheit immer wieder dazu angehalten wurden, ausreichend zu trinken. Die Folge sei, dass körperlich aktive Menschen sich heute häufig deutlich mehr Flüssigkeit zuführen als nötig. Das gilt nicht nur für Ausdauersportler. So wiesen rund 16 Prozent der Wanderer im Grand Canyon, die aufgrund von Erschöpfungszuständen medizinische Hilfe in Anspruch nahmen, Symptome einer EAH auf.

 

Typische Anzeichen einer leichten EAH sind Schwindel, Übelkeit, Schwellungen und Gewichtszunahme. Sie können während der sportlichen Betätigung und bis zu 24 Stunden danach auftreten. Eine schwere Hyponatriämie äußert sich durch Kopfschmerzen, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen bis hin zu komatösen Zuständen und Enzephalopathien. Sportler, die unter den genannten Beschwerden leiden, sollten sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.

 

Therapiert wird die EAH in der Regel durch intravenöse Applikation einer 3-prozentigen, hypertonen Kochsalzlösung. Um das Auftreten einer Hyponatriämie zu vermeiden, gilt für Athleten eine ganz simple Faustregel: Es sollte nur trinken, wer Durst hat. (cm)

 

DOI: 10.1097/JSM.0000000000000221

 

03.07.2015 l PZ

Foto: Fotolia/zinkevych