SGLT-2-Hemmer: Warnung vor möglichen Ketoazidosen |

In einem gemeinsamen Schreiben an die Ärzte informieren die Pharmaunternehmen AstraZeneca, Boehringer Ingelheim und Janssen-Cilag über das Risiko einer diabetischen Ketoazidose unter Behandlung mit SGLT2‐Inhibitoren. Die Hersteller von Canagliflozin-, Dapagliflozin- und Empagliflozin-haltigen Präparaten berichten darin über schwerwiegende und manchmal lebensbedrohliche Fälle von diabetischer Ketoazidose, die unter Behandlung mit einem der SGLT-2-Hemmer aufgetreten sind. Mehrheitlich sei bei den betroffenen Patienten ein stationäre Aufnahme erforderlich gewesen, mehr als die Hälfte der berichteten Fälle sei in den ersten beiden Behandlungsmonaten aufgetreten. Wie es zu dieser Nebenwirkung kommt, ist noch unklar. Ein zugrunde liegender Mechanismus einer mit SGLT2‐Inhibitoren assoziierten diabetischen Ketoazidose ist bisher nicht bekannt.
Besonders tückisch ist, dass sich in einigen Fällen ein untypisches Krankheitsbild mit nur mäßig erhöhtem Blutzuckerspiegel zeigte. Das könnte zur Verzögerung der Diagnose und Behandlung führen. Die Pharmaunternehmen raten daher, Patienten über die Anzeichen und Symptome einer metabolischen Azidose wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, starker Durst, Atembeschwerden, Verwirrtheit, ungewöhnliche Müdigkeit oder Schläfrigkeit, aufzuklären und dazu anzuhalten, sich sofort an einen Arzt zu wenden, wenn sie entsprechende Anzeichen und Symptome bemerken.
Es wird ferner empfohlen, bei entsprechenden Patienten sofort einen Test auf Ketonkörper durchzuführen, wenn Anzeichen oder Symptome einer metabolischen Azidose auftreten, um eine verzögerte Diagnose und Behandlung zu vermeiden. Zudem sollte bei Verdacht auf Ketoazidose die Behandlung mit SGLT2‐Inhibitoren unterbrochen werden. Bei einer bestätigten Ketoazidose sollten geeignete Maßnahmen zur Behandlung eingeleitet und der Blutzuckerspiegel überwacht werden.
Interessanterweise betraf ein Drittel aller beobachteten Fälle die Off-label-Anwendung von SGLT-2-Hemmern bei Typ-1-Diabetikern. Die Pharmaunternehmen weisen daher noch einmal darauf hin, dass Typ-1-Diabetes keine zugelassene Indikation für diese Substanzklasse ist.
Wie wirken SGLT-2-Hemmer? Normalerweise wird Glucose in den Nieren glomerulär filtriert und später im proximalen Tubulus aktiv resorbiert. SGLT 2 ist der Haupttransporter, der für die Wiederaufnahme von Zucker an dieser Stelle verantwortlich ist, ein Natrium-abhängiger Glucose-Co-Transporter (sodium dependent glucose transporter, SGLT). 90 Prozent der renalen Glucose-Reabsorption laufen über ihn. Durch die selektive Blockade von SGLT-2 lässt sich die Rückresorption von Zucker reduzieren und somit die Ausscheidung überschüssiger Glucose mit dem Harn forcieren. (ss)
09.07.2015 l PZ
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