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Guanfacin: Neues altes Mittel gegen ADHS

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In der EU wird es aller Voraussicht nach bald ein neues Medikament gegen Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) geben: Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat Guanfacin (Intuniv® von Shire) zur Zulassung empfohlen. Es handelt sich um einen selektiven α2-Rezeptoragonisten, der in den USA schon seit Längerem zur Behandlung von Hypertonie und ADHS auf dem Markt ist. Das Antisympathotonikum, das eine Weiterentwicklung des Clonidins darstellt, war auch in Deutschland eine Zeit lang als Antihypertonikum Estulic® verfügbar, ist aber nicht mehr im Handel. Bei ADHS soll die Wirkung auf der Stimulation noradrenerger Signalwege im Gehirn beruhen, wodurch sich Aufmerksamkeit, organisiertes und geplantes Handeln sowie Impulskontrolle verbessern. Der Wirkstoff wird dazu in Form von langsam freisetzenden Kapseln oder Tabletten verabreicht.

 

Guanfacin darf in der EU ausschließlich als Teil eines therapeutischen Gesamtkonzeptes eingesetzt werden, zu dem beispielsweise auch eine psychologische Betreuung gehört. Die Zulassung wurde für ADHS-Patienten im Alter von 6 bis 17 Jahren empfohlen, für die Stimulanzien aufgrund von Unverträglichkeit, Wirkungslosigkeit oder aus anderen Gründen nicht geeignet sind. Im Rahmen des Zulassungsverfahrens hörten die Experten unter anderem die Mutter eines ADHS-Patienten sowie einen jungen Erwachsenen mit der Erkrankung, was, wie die EMA betont, Teil eines Projekts zur stärkeren Einbeziehung von Patienten in den Entscheidungsprozess ist.

 

Sicherheit und Wirksamkeit von Guanfacin in der Indikation ADHS wurden laut EMA in 13 Studien untersucht. Die schwerwiegendsten Nebenwirkungen waren Bradykardie, Hypotonie, Synkopen sowie Müdigkeit samt eines damit assoziierten Sturzrisikos. Zudem kann es unter Guanfacin zu einer Gewichtszunahme kommen. Hersteller Shire wurde dazu verpflichtet, das Langzeit-Sicherheitsprofil des Medikaments in einer Postmarketingstudie zu untersuchen. (am)

 

28.07.2015 l PZ

Foto: Fotolia/photophonie