Mehr Tote durch resistente Keime als durch Krebs möglich |

Wenn jetzt nichts unternommen wird, könnten im Jahr 2050 weltweit mehr Menschen an antibiotikaresistenten Bakterien sterben als derzeit an Krebs. Davor warnt eine Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, berichtet heute die «Berliner Zeitung». Der Hochrechnung zufolge könnten dann jährlich zehn Millionen Menschen weltweit an multiresistenten Keimen sterben, vor allem in Asien und Afrika, im Vergleich zu derzeit 8,2 Millionen Krebstoten pro Jahr. Allerdings rechnet die Weltgesundheitsorganisation auch mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen um 70 Prozent in den kommenden 20 Jahren. In Europa könnte die Zahl von derzeit schätzungsweise 23.000 Todesfällen durch multiresistente Bakterien auf 400.000 pro Jahr steigen.
Laut Analyse der Studienautoren um Privatdozentin Dr. Elisabeth Meyer vom Institut für Umweltmedizin und Hygiene an der Berliner Charité bekommt in Deutschland jährlich ein Drittel aller Krankenversicherten ein Antibiotikum verschrieben (38 Millionen Verordnungen), davon 85 Prozent im ambulanten Bereich. Meyer schätzt, dass 30 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen in der Humanmedizin unnötig sind. Mindestens genauso problematisch ist der Einsatz der Substanzen in der Tiermast. 2013 wurden hierzulande 1452 Tonnen Antibiotika an Tiere verabreicht. Deutschland zähle damit zu den acht Ländern Europas, in denen in der Tierzucht mehr Antibiotika eingesetzt werden als im Humanbereich, schreibt die «Berliner Zeitung». Zum Vergleich: Stationär werden jährlich 80 bis 160 Tonnen Antibiotika verbraucht, im ambulanten Bereich 640 bis 720 Tonnen.
Als Maßnahmen empfehlen die Studienautoren neben einem grundsätzlich maßvolleren Einsatz der Medikamente ein Verbot bestimmter für die Humanmedizin wichtigen Antibiotika für den Veterinärbereich. Außerdem fehle es in Krankenhäusern an Personal, um eine gute Hygiene und Infektionsprävention zu leisten.
Am Montag einigten sich das EU-Parlament, die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten auf einen Gesetzentwurf, zur Prävention und Behandlung von Tierkrankheiten. Darin soll es auch um Maßnahmen im Kampf gegen resistente Keime bei Mensch und Tier gehen, unter anderen um den restriktiveren Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und genauere Angaben zum Verbrauch. (dh)
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02.06.2015 l PZ
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